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Keine e-Mails vor dem Schlafengehen

Foto: creativ collection

Warum blaues Licht wach macht, grüner Salat den Schlaf stört und Schnarchen gefährlich sein kann. Tipps von der Schlafmedizinerin Dr. med. habil. Yvonne Fischer

Frau Dr. Fischer, wieviel Schlaf braucht der Mensch?

Man muss so lange schlafen, bis man erholt ist. Das hängt nicht zwingend von der Dauer, sondern von der Qualität des Schlafes ab. Durchschnittlich schlafen wir siebeneinhalb Stunden. Aber es gibt auch Menschen, die mit nur fünf Stunden Schlaf auskommen. Bei weniger Stunden wird es schwierig.

Was genau bedeutet es, wenn der Schlaf eine schlechte Qualität hat?

Das bedeutet, dass der Schlaf nicht erholsam ist, und das kann individuell unterschiedlich sein. Prinzipiell ist es so: Unser Schlaf ist nicht während der gesamten Zeit gleich tief. Er verläuft in Phasen, die sich während der Nacht mehrmals wiederholen. Die Tiefschlafphase ist für die Erholung verantwortlich und findet hauptsächlich in der ersten Hälfte der Nacht statt. Bekommen wir davon zu wenig, fühlen wir uns nicht ausgeruht. Die Traum-Schlafphase – der sogenannte REM-Schlaf – beeinflusst die Gedächtnisbildung. Die meisten REM-Phasen liegen in der zweiten Nachthälfte.

Es ist also gut, vor Mitternacht ins Bett zu gehen?

Wer vor Mitternacht ins Bett geht, bekommt zum einen mehr Tiefschlaf, zum anderen lebt er im Einklang mit seinem Biorhythmus. Die meisten Körperfunktionen erreichen nachts zwischen drei und vier Uhr ihren Tiefpunkt. Dann steigt die Hormonproduktion, zum Beispiel von Cortison wieder an.

Was hat es mit den Eulen und Lerchen auf sich?

So werden die unterschiedlichen Schlaftypen bezeichnet. Es gibt die Frühaufsteher, die abends entsprechend früher müde sind. Das sind die Lerchen. Eulen stehen sehr spät auf und können dafür abends länger durchhalten.

Viele Menschen wollen schlafen und können nicht. Was kann die Nachtruhe stören?

Erstmal alle umweltbedingten Faktoren wie Straßenlärm, Laternenlicht oder ein zu warmer Schlafraum. Wichtig ist, rechtzeitig vor dem Schlafengehen die Bildschirmarbeit zu beenden. Denn die blauen Wellenlängen des Lichtes, mit dem Tablets, Laptops oder Handys leuchten, regen die Wachzentren im Gehirn an.

Was tun, wenn die Nachtruhe einfach nicht kommen will? Gedanken wie: „Hilfe, ich muss jetzt einschlafen, sonst bin ich morgen nicht fit“ sind sicher nicht hilfreich.

Nein, das bewirkt genau das Gegenteil. Sie kommen da in einen Kreislauf hinein, der ein immer höheres Erregungsniveau bewirkt. Und das sollte man unbedingt vermeiden. Um das Gedankenkreisen zu unterbrechen, helfen Entspannungsübungen, das können Bilderreisen sein oder Selbsthypnosetechniken.

Ist es besser, bei Schlafstörungen aufzustehen oder wach im Bett liegen zu bleiben?

Wenn es gar nicht anders geht, dann sollte man aufstehen und den Tag beginnen, der Schlafdruck wird dann höher. Und eine schlaflose Nacht ist ja nicht dramatisch. Schlimmstenfalls ist man am nächsten Tag müde.

Was ist Schlafapnoe?

Das ist eine Erkrankung, bei der es im Schlaf zu Atempausen kommt, die eine Weckreaktion auslösen. Die ist so kurz, dass sich Betroffene am nächsten Tag nicht mehr daran erinnern können, verhindert jedoch das Zurückfallen in den Tiefschlaf. Der zu geringe Sauerstoffanteil im Blut führt zu einem hohen Blutdruck. Damit erhöht sich das Risiko, an einem Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erkranken. Zudem verändert sich der Insulinspiegel, was zu Diabetes führen kann.

Wie stellt man eine Schlafapnoe fest?

Oft schlagen die Partner Alarm, weil ihnen das abgehackte und unregelmäßige, nahezu explosionsartige Schnarchen auffällt. Manchmal ist es auch der Hausarzt, der einen erhöhten Blutdruck feststellt und die Patienten dann zur Abklärung an einen Spezialisten oder an ein Schlaflabor verweist. Schlafapnoe kann gut behandelt werden, etwa mit einem Atemtherapiegerät oder Zahnschienen. Für manche Patienten kommen auch operative Therapieverfahren in Frage. Häufig profitieren Patienten auch bereits von einer Gewichtsreduktion.
Das Interview führte Ulrike Schattenmann.

Priv. -Doz. Dr. med. habil. Yvonne Fischer ist Fachärztin für ganzheitliche Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und spezialisiert auf Schlafmedizin. Bei der Behandlung von Schlafstörungen setzt sie auch auf Akupunktur, Hypnose und Homöopathie. www.hno-praxis-fischer.de