Köstliches gegen den Winterblues

Was und wie wir essen, wirkt sich auf unsere Psyche aus. Aber welche Lebensmittel beugen Depressionen vor, welche befördern sie? Erkenntnisse aus der Wissenschaft – und Ernährungstipps für die dunkle Jahreszeit.

Von Dr. med. Susanne Bihlmaier, Foto: creativ collection

Licht und Lebensfreude für die dunkle Jahreszeit  – das wünschen sich viele, nicht nur diejenigen, denen der Winter aufs Gemüt schlägt, sondern auch Arthritis-Geplagte oder Menschen mit Depressionen. Bei Krebserkrankungen stimmen der Weltkrebsbericht und das Deutsche Krebsforschungszentrum hoffungsvoll: Fast die Hälfte aller Krebsfälle könnten mit gesunder Ernährung vermieden werden. Wie aber wirkt sich Ernährung auf die Psyche aus? Neueste Erkenntnisse aus der Wissenschaft legen nahe, dass bestimmte Lebensmittel und die entsprechende Zubereitung düstere Wintergemüter erhellen können.

Depressive Süße

Bei Liebeskummer greifen viele zu Süßem. Kurzfristig und einmalig streichelt das die Seele, bei depressiven Symptomen jedoch scheint Süßes sogar zu verschlimmern, wie die spanische Universitätsprofessorin Almudena Sánchez-Villegas in einer Studie mit 9000 Testpersonen herausfand. Die Ernährungswissenschaftlerin warnt eindringlich nicht nur vor dem Verzehr von Hamburgern und Pommes, sondern auch vor Fabrik-Backwaren wie Donuts, Kekse und ähnlichen Weißmehlprodukten. Der Grund: Die Teilnehmer, die mehr industriell verarbeitete Weißmehlprodukte aßen, wiesen ein um sage und schreibe 51 Prozent höheres Risiko auf, an Depression zu erkranken!

Praktischer Wintertipp: Backen Sie Ihr Adventsgebäck mit Dinkelmehl Typ 1050, das liegt zwischen Vollkorn und Weißmehl und kann 1:1 in herkömmlichen Rezepten verwendet werden. Sie sparen deutlich (mindestens ein Drittel) der Zuckermenge ein, wenn Sie anstatt Weißzucker den malzig-aromatischen Rohrohrzucker verwenden und mehr Gewürze einsetzen wie zum Beispiel -Vanille.

Fastfood-Blues

Vegetarier und Veganer sind signifikant „besser drauf“ (Wissenschaftler sprechen hier von Stimmungsscores) als Fertigprodukt-liebende Gemischtköstler. Zu diesem Ergebnis kommen verschiedene Forscher unabhängig voneinander.

Praktischer Wintertipp: Schwingen Sie den Kochlöffel und kochen sie selbst: Sättigende Gemüsesuppen, zum Beispiel aus orange leuchtendem Hokkaido-Kürbis, Kartoffeln und Möhren sind schnell -zubereitet.

Tierisch schmerzende Wintergelenke

Wer viele industriell verarbeitete, tierische Produkte isst, bekommt damit mehr der langkettigen, mehrfach gesättigten Fettsäuren und industriell gehärteten Fette ab, sogenannten Transfette. Auch beinhalten nur tierische Produkte die sogenannte Arachidonsäure. Sie alle fördern die Bildung von Entzündungsstoffen wie Interleukin 6 und C-reaktivem Protein, die Rheuma und Arthritis verschlimmern. Neu ist die Erkenntnis, dass diese Entzündungsstoffe zudem Botenstoffe im Hirn stören können. Das bremst unter anderem Wachstumsfaktoren für das Gehirn und beeinflusst die Stimmung.

Praktischer Wintertipp: Lassen Sie Wurst und (Billig-)Käse im Regal, greifen Sie zu Gemüse und erfreuen Sie sich an einer herrlich bunten, schnellen Wokpfanne oder noch schnelleren Vollkornnudeln mit -Tomatensoße.

VIP-Seelenstreichler

Unser Körper ist eine beeindruckende Produktionsstätte. Um das Glückshormon Serotonin herzustellen, benötigt er den Wirkstoff Tryptophan. Der findet sich in Datteln, Feigen, Cashewkernen und in dunkler(!) Schokolade. Stimmungsaufhellende Omega-3-Fettsäuren sind in Leinöl, Leinsamen oder Walnüssen enthalten. Nervenstützende B-Vitamine gibt es reichlich in Vollkornprodukten (Vollkornbrot, Vollkornnudeln), in Spinat, Eigelb aus Bio-Ei, Brokkoli, rote Beete und Bierhefe. Unser Glückshormon Dopamin benötigt Tyrosin. Es wird von Linsen, -Cashews, aber auch (echtem) Parmesan, Bio-Weidenrindfleisch und Bio-Freilandhuhn geliefert.

Fazit: Gute Laune kann man schlemmen

Wir können also Gaumen- und Seelenfreude aus der Nahrung tanken! Menschen, die oft frisches Gemüse, Vollkornprodukte, pflanzliche Fette und Obst essen, haben ein deutlich geringeres Risiko, an Depression zu erkranken als Menschen, die vorwiegend industriell „veredelte“ Nahrung  zu sich nehmen wie Frittiertes, Gebackenes, Weißmehlprodukte und Zuckerhaltiges. Omega-3-Fettsäuren enthalten eine starke, antidepressive Komponente. Das haben Dr. J.M. Davis und seine Kollegen von der Universität Illinois in Chicago und Dr. Andrew McCulloch, der viele Jahre die Mental Health Foundation geleitet hat, bestätigt. Wer dann noch die Mittagssonne bei einem kurzen, strammen Spaziergang genießt, regt zudem die Durchblutung und den Stoffwechsel an.

Ganzheitlich Seelenfreude tanken

Zu guter Letzt möchte ich noch auf einen oft übersehenen Aspekt gesunder Ernährungsweise hinweisen: „Gemeinsam essen ist einer der ursprünglichsten Wege, mit anderen eine Verbindung einzugehen“, sagt der US-amerikanische Zen-Meister und Koch Edward Brown. Jetzt wissen Sie, dass damit nicht die Frittenbude oder ein „Happy Meal“ auf dem Fastfood-Parkplatz gemeint sind, sondern gemeinsames gutes Essen. Probieren Sie’s doch einfach mal wieder aus. Laden Sie ein zu einem Adventstee mit Rührkuchen und backen diesen mit 1050er Mehl und Rohrohrzucker und aromatisieren Sie mit Adventsgewürzen. Und wie wär’s zum Nachtisch mit einer Charity-Praline, mit der Sie nicht nur Gaumen, Gemüt und Gesundheit Gutes gönnen, sondern auch krebskranken Kindern? (siehe unten). Das ist Genuss für alle Sinne, stimmungsaufhellend, wärmend, vollwertig. Guten Appetit!

Dr. Susanne Bihlmaier ist Ärztin für Natur-heilverfahren und Chinesische Medizin und Autorin des  Koch- und Gesundheitsbuchs „Tomatenrot + Drachengrün, Das Beste aus Ost und West“. Im Coburger Brustzentrum baut sie eine naturheilkundliche Sprechstunde auf; außerdem wirkt sie im Endometriose-Zentrum der Universität Tübingen mit.
www.bihlmaier-tcm.de/

Charity-Praline Schlemmen und Gutes tun

Die Ärztin und Ernährungsspezialistin Susanne Bihlmaier und der Chocolatier -Eberhard Schell haben zusammen eine ganz besondere Praline kreiert: Die Drachen-splitter verwöhnen den Gaumen mit 70%Trinitario-Kakao aus Peru, stärken die -Nerven mit B-Vitaminen aus Mandeln, die Knochen mit Sesam und das Immun-system mit sekundären Pflanzenstoffen aus Gojibeeren. Den Stoffwechsel kurbelt ein Hauch Ingwer und Chili an. Die Erlöse aus dem Verkauf der Charity-Praline kommen krebskranken Kindern der Nachsorgeklinik Tannheim zugute.

Mehr Infos unter www.schell-schokoladen.de/