Wenn die Körperpolizei außer Kontrolle gerät

Autoimmunerkrankungen lassen sich häufig mit Naturheilverfahren gut behandeln.

VON DR. MED. FELICITAS BÖRNER

Unsere Immunabwehr ist ständig in Aktion. Auf körperfremde Stoffe reagiert sie mit kontrollierter Abwehr – einer Entzündung. Eine Entzündung ist also ein physiologischer Prozess und dient dem Schutz des Körpers vor Erregern und fremden Substanzen. Bei einer Autoimmunerkrankung ist das Immunsystem gestört und richtet sich gegen Strukturen des eigenen Körpers. Meist handelt es sich dabei um chronische, lebenslange Prozesse, bei denen Zellen oder Organe allmählich zerstört werden. Etwa 60 Autoimmunkrankheiten sind bekannt.
Entzündungen sind fast überall im Körper möglich:

1 Gelenke / Sehnen:  Rheuma

2 Schilddrüse: Hashimoto-Thyreoidits

3 Bauchspeichedrüse: Diabtes mellitus Typ 1

4 Darm: Morbus Crohn, Colitis ulzerosa

5 Haut und innere Organe: Lupus erythematodes

6 Dünndarm: Zöliakie (Glutenunverträglichkeit)

7 Nerven: Multiple Sklerose

8 Haare:Alopecia areata

9 Muskeln:  Polymyalgia rheumatica

 

Was die Auslöser der chronischen Entzündungsprozesse anbelangt, so sind noch viele Fragen offen. Bei einigen Krankheiten spielen möglicherweise Erbfaktoren eine Rolle. Aber auch Umweltfaktoren, falsche Ernährung, eine gestörte Darmflora, hormonelle Einflüsse (Frauen sind von Autoimmunkrankheiten häufiger betroffen) oder Rauchen kommen als Ursache in Frage. Immer wieder diskutiert wird auch der mögliche Zusammenhang zwischen Impfungen und der Zunahme von Autoimmunerkrankungen.

Behandlung
Die schulmedizinische Behandlung erfolgt hauptsächlich durch Medikamente (Immunsuppressiva, Entzündungshemmer, Schmerzmittel) und ist oft mit Nebenwirkungen verbunden. Naturheilkundliche Therapien zielen darauf ab, die möglichen Ursachen der Autoimmunkrankheiten zu beseitigen. Die antientzündliche schulmedizinische Therapie kann dann häufig reduziert werden oder entfallen.

Darmflora stärken

Der Darm ist unser größtes immunologisches Organ. Naturheilkundliche Therapien stützen und stärken daher immer die Darmfunktion. Mit der mikrobiologische Therapie stellt man die normalen gesundheitsförderlichen Zusammensetzungen und Populationen der in uns lebenden Bakterien wieder her. Probiotica – zum Beispiel Milchsäurebakterien – haben einen guten Einfluss auf die Darmflora. Mikrobiologische Fertigpräparate wie Pro Symbioflor, Symbioflor, Mutaflor, Omniflora, Lacteol führen der Darmflora wichtige Bakterien (etwa Lakto- und Bifidobakterien zu) und halten das Darmmilieu so im Gleichgewicht.

Gesunde Ernährung

Eine bewusste gesunde Ernährung beugt Erkrankungen vor und hilft, Leiden zu mildern. Ganz allgemein sollte man vollwertige, naturbelassene Nahrungsmittel zu sich nehmen und Fertigprodukte meiden. Bei Rheuma: Studien haben positive Effekte bei der sogenannten Mittelmeerdiät (wenig rotes Fleisch, viel Früchte, Gemüse und Hülsenfrüchte, Olivenöl) nachgewiesen. Bei Osteoporose sollte Vitamin D – insbesondere im Rahmen von Kortisonbehandlungen – zusätzlich eingesetzt werden.

Selen und selenabhängige Enzyme helfen, schädliche Radikale zu bekämpfen und so Entzündungen abzubauen. Zu den selenhaltigen Lebensmitteln zählen Meeresfisch, Fleisch, Milch, Eier. Die deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Erwachsenen täglich etwa 70 µg zu sich zu nehmen. Das erscheint aus naturheilkundlicher Sicht zu niedrig!

Studien zu Hashimoto haben ergeben, dass sechs Monate nach einer täglichen Einnahme von 200 µg Natriumselenit die Zahl der Schilddrüsen Antikörper TPO im Blut deutlich abnahm.

Noch mehr Ernährungstipps:

Arachidonsäure meiden! Sie ist Ausgangssubstanz für einige Entzündungsreaktionen und in tierischen Lebensmitteln enthalten, insbesondere in fettem Schweinefleisch, Schweineleber, Croissant, Eidotter, Schweineschmalz, Thunfisch und Leberwurst. Omega-Fettsäuren zu sich nehmen: Fleischesser benötigen mehr, bei Vegetariern würde eine Fischmahlzeit wöchentlich ausreichen. Omega Fettsäuren senken den Kortisonbedarf. Basenreiche Kost (Sellerie, Brokkoli, Kartoffeln) hilft bei starken Entzündungsprozessen.

Phytotherapie

Bei chronisch schmerzhafte Gelenken helfen Teufelskrallenwurzel und Weidenrindenextrakt, bei hochentzündlichen Gelenken Weidenrinde, Zitterpappel, Goldrute und Esche (als Mischextrakt, z.B. Phytodolor Tropfen). Heilpflanzen wie Brennessel, Grünlippenmuschelextrakt, Weihrauch hemmen Entzündungsstoffe. Teemischungen: Je 20 g Brennesselkraut, Weidenrinde, Schachtelhalm, Johannisbeerblätter (für den Geschmack), Mädesüßblüten. Zinnkrauttee (Ackerschachtelhalm), Grüntee. Eine andere Variante ist Brennesseltee mit Beigabe von Schwedenbitter, Weidenrinde und Teufelskrallenwurzel.

Homöopathie

Homöopathie reguliert das Immunsystem und regt die Selbstheilungsmechanismen an. Im Handel gibt es zahlreiche Komplexmittel Tropfen, Globuli, Tabletten, Injektionen oder Salben.

Bewährte Mittel: Rhus toxicodendron (Giftsumach), Ledum (Sumpfporst), Colchicum (Herbstzeitlose), Berberis (Sauerdorn), Dulcamara (Bittersüß), Thuja (Lebensbaum), Mercurius (Quecksilber).

Bei einem akuten Schub: Arnica (Bergwohlverleih), Aconitum (Eisenhut), Belladonna (Tollkirsche), Bryonia (Zaunrübe)

Dr. med. Felicitas Börner ist Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Ernährungsmedizinerin; Ärztin für Homöopathie und Naturheilverfahren und Chefärztin an der Hochgebirgsklinik Mittelberg. www.hochgebirgsklinik.de