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Als eine der wenigen gesetzlichen Krankenkassen erstattet die BKK ProVita die Kosten für natürliche Heilmethoden und setzt sich für pflanzliche Ernährung ein. Warum, erklärt Vorstand Andreas Schöfbeck.

DNBImpulse: Schüssler-Salze, Globuli, Osteopathie – Versicherte, die naturheilkundliche Behandlungsmethoden in Anspruch nehmen, müssen das normalerweise aus eigener Tasche bezahlen. Die BKK ProVita hingegen erstattet Kosten für homöopathische und pflanzliche Arzneimittel. Warum?

Andreas Schöfbeck: Wir glauben, dass zu einem modernen Gesundheitssystem neben einer guten Schulmedizin auch natürliche Heilmethoden wie Homöopathie, pflanzliche Arzneimittel und Osteopathie gehören. Darauf vertrauen Menschen, die ganzheitlich denken und diese Menschen wünschen sich von ihrer Krankenkasse solche Leistungen. Deshalb haben wir unser Leistungsangebot um alternative Heilmethoden ergänzt, die zielgerichtet und ganzheitlich wirken.

Sie belohnen Menschen mit gesundheitsbewusstem Verhalten im Rahmen von Bonusprogrammen mit Zusatzleistungen oder einer Geldprämie.

Ja genau, wir setzen auf die Eigenverantwortung unserer Versicherten. Wir wollen sie dabei unterstützen, ihre Gesundheit zu bewahren.

Zudem gehen Sie mit der BKK ProVita auch die Themen Achtsamkeit und bewusste Ernährung an.

Uns ist es wichtig, dass die Menschen wieder in ihre Mitte finden, gerade bei Erkrankungen wie Burn-out ist das essentiell. Daher bezuschussen wir nicht nur Kurse, die das Herz-Kreislauf-System trainieren, wie z. B. Nordic Walking, sondern auch Entspannungsverfahren wie Tai-Chi oder Meditation. Ein anderes Thema, bei dem wir ansetzen, ist die Ernährung….

….die BKK ProVita setzt sich als eine der wenigen gesetzlichen Krankenkassen für eine pflanzliche Lebensweise ein. Was macht Ihre Krankenkasse für Veganer attraktiv?

Wir unterstützen unsere Versicherten, die sich pflanzlich ernähren. So bezuschussen wir Präventionskurse zur veganen Ernährung, wir erstatten Literatur zum Thema und wir bieten Ernährungsberatung auch in veganer Ernährung an – kostenfrei. Außerdem arbeiten wir mit ProVeg, dem ehemaligen Vegetarierbund, zusammen und unterstützen die Aktion Pflanzen-Power, die Kinder in Schulen über gesunde pflanzenbasierte Ernährung aufklärt. Wir kochen zusammen mit Kindern und zeigen, dass auch vegane Spaghetti Bolognese gut schmecken können.

Sie selbst leben seit vielen Jahren vegan – gab es einen Auslöser?

Ja, das hat mit meinem persönlichen Lebensweg zu tun. Vor einigen Jahren ging es mir sehr schlecht, ich musste am Herzen operiert werden, die Ärzte gaben mir nicht mehr viel Zeit. Da habe ich angefangen nachzudenken, mich über naturheilkundliche Methoden zu informieren und mich intensiv mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zu gesunder Ernährung zu befassen. Ich habe meine Ernährung umgestellt, erst auf vegetarisch, dann auf vegan: Schon nach einiger Zeit waren meine Blutfettwerte so niedrig, dass ich die Cholesterinsenker absetzen konnte, die ich jahrelang einnehmen musste. Außerdem habe ich 15 Kilo abgenommen. Mir geht es eindeutig besser.

Vegetarische und vegane Ernährung sind gerade im Trend. Wollen Sie als Krankenkasse hier aufspringen?

Ich will, dass sich die Idee einer pflanzlichen Ernährung mittelfristig in der Gesellschaft verankert. Menschen, die sich pflanzlich ernähren, haben ein geringeres Risiko, an Bluthochdruck, Diabetes, Herzinfarkt und Krebs zu erkranken. Wenn mehr Bewusstsein für pflanzenbasierte Ernährung da ist, dann profitieren wir als Krankenkasse davon. Aber Ernährung hat mehrere Dimensionen, es geht auch um die ethischen Aspekte von Massentierhaltung und deren Auswirkungen auf die Umwelt.

In unseren Bemühungen um pflanzenbasierte Ernährung konnten wir vor Kurzem einen großen Erfolg verzeichnen: Die „Aktion Pflanzen-Power“ wurde mit dem Klimaaktionspreis der Vereinten Nationen „Momentum for Change“ ausgezeichnet, der zum ersten Mal nach Deutschland ging. Pflanzenbasierte Ernährung ist nicht nur ein Trend, sondern wird zunehmend anerkannt und mittlerweile werden ihre positiven Auswirkungen auf die Umwelt auch honoriert.

Als Krankenkasse müssen Sie auch wirtschaftlich arbeiten. Sind die vielen Extraleistungen für alternative Methoden der Grund dafür, dass der Beitragssatz der BKK ProVita mit 15,9 Prozent um 0,3 Prozentpunkte höher liegt als der Durchschnitt?

Nein, das hat damit nichts zu tun. Wir haben den Beitrag vor zwei Jahren angepasst, bis dahin lagen wir leicht unter dem Durchschnitt. Unser höherer Beitragssatz entspricht in etwa den Kosten für zwei Cappuccino im Monat. Dafür erhalten unsere Versicherten viele tolle Leistungen.

Wenn es also keine wirtschaftlichen Nachteile hat, warum ziehen dann andere Krankenkassen nicht nach?

Alles was wir anbieten, können auch andere anbieten. 95 Prozent des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenkassen schreibt ohnehin der Gesetzgeber vor, nur fünf Prozent lassen sich individuell gestalten. Aber leider herrscht im Gesundheitswesen immer noch eine gewisse Unkenntnis über die therapeutische Wirkung von ganzheitlichen Ansätzen vor. Auch da wollen wir ansetzen. Wir haben in diesem Jahr einen wissenschaftlichen Beirat gegründet, der uns beratend zur Seite steht. Wir konnten dafür acht Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Politik gewinnen. Mit dabei sind der Psychoneuroimmunologe Dr. Christian Schubert und Prof. Dr. Michalsen vom Immanuel Krankenhaus Berlin. Gemeinsam wollen wir Veränderungen im Gesundheitssystem hin zu ganzheitlicher Medizin anstoßen.

Andreas Schöfbeck ist Vorstand der BKK -ProVita. Die bundesweit geöffnete gesetzliche Krankenkasse wurde 1862 als Betriebskrankenkasse der München Dachauer Papierfabriken gegründet und firmiert heute unter BKK ProVita – Die Kasse fürs Leben. Mit rund 120.000 Versicherten zählt sie zu den 50 größten gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland. Sie ist Premium Partner des Naturheilbundes.
www.bkk-provita.de