Von Prof. Dr. med. Karin Kraft, Illustration: creativ collection

Pflanzliche und homöopathische Arzneimittel werden inzwischen von vielen Krankenkassen erstattet. Dafür muss der Arzt ein Grünes Rezept ausstellen.

Viele Patienten kennen es nicht, dabei wird es schon seit dem Jahr 2004 von Ärzten aller Fachrichtungen genutzt: das Grüne Rezept zur Verordnung von nicht verschreibungspflichtigen  Arzneimitteln. Das sind besonders sichere und nebenwirkungsarme Präparate. Sie spielten lange Zeit in der ärztlichen Praxis eine wichtige Rolle, konnten aber immer auch schon im Rahmen der Selbstmedikation angewendet werden. Um Kosten zu sparen, wurden im Rahmen des „GKV-Modernisierungsgesetzes“ im Jahr 2004 nahezu alle nicht verschreibungspflichtigen Arzneimittel für über zwölfjährige Patienten aus der Erstattung durch die gesetzlichen Kranken-versicherungen ausgeschlossen.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), der Deutsche Apothekerverband (DAV), der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH) und der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) haben als Reaktion darauf das Grüne Rezept entwickelt, mit dem Ärzte auch nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel wieder in ihre Beratung und Verordnung einbeziehen.

Hoher Nutzen          

Mit der Verordnung eines rezeptfreien Arzneimittels auf dem Grünen Rezept stellt der Arzt klar, dass er die Einnahme dieses Präparates für die Therapie als notwendig und zweckmäßig erachtet. Er wählt damit bewusst ein rezeptfreies Arznei-mittel aus, das über ein besonders gutes Nutzen-Risiko-Profil verfügt. Das Grüne Rezept dient zudem als Merkhilfe für den Kauf der Arzneimittel in der Apotheke. Die Kosten müssen die Patienten zunächst selbst tragen. Sie liegen für die meisten rezeptfreien Arzneimittel jedoch unter der Zuzahlungsgrenze für verschreibungspflichtige -Arzneimittel von derzeit zehn Euro.

Oft gibt es Geld zurück

Viele gesetzliche Krankenkassen erstatten zudem seit einigen Jahren im Rahmen ihrer Satzungsleistungen die Kosten für bestimmte rezeptfreie apothekenpflichtige Arzneimittel wieder, um die Versorgung ihrer Versicherten zu verbessern. In welchem Umfang und zu welchen Konditionen das geschieht, legen die Krankenversicherungen individuell in ihrer Satzung fest. Häufig handelt es sich dabei um Präparate der Anthroposophie, Homöopathie und Phytotherapie.

Unter folgendem Link können Ärzte und Patienten eine Liste der gesetzlichen Krankenversicherungen abrufen, die im Rahmen ihrer Satzungsleistungen auf dem Grünen Rezept verordnete rezeptfreie Arzneimittel erstatten:

https://www.aponet.de/fileadmin/aponet/res/img/material/Allgemeines/Liste-Kassen-Erstattung-rezeptfreie-Medikamente.pdf

Darüber hinaus können Patienten nicht erstattete eingelöste Grüne Rezepte zusammen mit dem Kaufbeleg bei der Einkommensteuererklärung im Sinne der Abgabenordnung als außergewöhnliche Belastung geltend machen.

Prof. Dr. med. Karin Kraft ist Inhaberin des Lehrstuhls für Naturheilkunde an der Universitätsmedizin Rostock. www.naturheilkunde.med.uni-rostock.de

Von Martina Schneider, Foto: creativ collection

Wer krank ist, braucht nicht nur körperliche, sondern auch geistige Versorgung. Wie Spiritualität und Religion zur Heilung beitragen können.

„Nichts im Leben ist wunderbarer als der Glaube – die eine große bewegende Kraft, die wir weder im Gleichgewicht noch im Tiegel prüfen können.“ Das sagte der kanadische Mediziner und Psychologe William Osler, der als Vater der modernen Medizin gilt. Osler stellte Ende des 19. Jahrhunderts erstmals Zusammenhänge zwischen der physiologischen und psychologischen Behandlung eines Patienten her. Wie Spiritualität Medizin sein kann, entdecken Wissenschaftler seit einigen Jahren zunehmend (wieder). Zwischen 2010 und 2015 sogar als Vorlesungsfach „Spiritual Care“ an der Ludwig-Maximilian-Universität München. Spiritual Care ist eine wissenschaftliche Disziplin, die Medizin, Theologie und Krankenhausseelsorge verbindet und damit vor allem Teil einer ganzheitlichen Palliativmedizin ist. In ihrer Definition von Palliative Care schreibt die Weltgesundheitsorganisation fest: „Zu einer ganzheitlichen Betreuung schwerstkranker Patienten gehört die Vorbeugung und Linderung von Leiden durch frühzeitiges Erkennen, untadelige Einschätzung und Behandlung von Schmerzen sowie anderen belastenden Beschwerden körperlicher, psychosozialer und -spiritueller Art.“

Sorgende Haltung

Deshalb, sagt der evangelische Pfarrer Traugott Roser, gehört die Erforschung und theoretische Reflexion über Spiritualität in den medizinischen Zusammenhang und ist seit einigen Jahren auch Inhalt der medizinischen Ausbildung. Roser hat mit dem Jesuiten und Psychiater Dr. Eckhard Frick den ersten und bis dato einzigen Lehrstuhl für „Spiritual Care“ in Deutschland inne gehabt. Inzwischen ist die Stiftungsprofessur ausgelaufen. Weltweit gibt es zahlreiche Forschungsprojekte zu Spiritual Care – auch im Kontext jüdischer und buddhistischer Religionsgemeinschaften – unter anderem in der Schweiz, Israel, USA und Irland. Spiritual Care soll in einer  Lebensphase helfen, wo – von außen betrachtet – vielleicht anderweitig nicht mehr zu helfen ist. „Es geht um Fürsorge, die geistlich sein kann, aber nicht muss. Darum, die Sorgen, Fragen und Bedürfnisse eines Kranken wahr- und ernst zu nehmen. Und zwar nicht nur als Seelsorger, sondern als jeder Mitarbeitende im Gesundheitswesen“, erklärt der Psychiater Eckhard Frick. Allerdings, betont er, beschränkt sich eine spirituelle Fürsorge nicht auf Palliativpatienten: „Sie wird überall dort wichtig, wo Menschen in Grenzsituationen kommen, die Sinnfragen aufwerfen. Das kann bei der Mitteilung einer ernsten Diagnose sein oder auch bei chronischen Krankheiten.“

„Spiritual Care“ ist nur im Namen etwas Neues, nicht im Inhalt. Diese Pflege knüpft an mittelalterliche  Traditionen an. Nonnen oder Mönche führten Krankenhäuser, sie trennten nicht zwischen körperlicher und geistlicher Versorgung, nicht zwischen Medizin und anderen (Natur-) Wissenschaften. Dass der Mensch mehr ist als sein Körper, das menschliche Dasein viele Aspekte hat, die berücksichtigt werden müssen, diese Erkenntnis ist in der Heilkunst anderer Kulturen, etwa der fernöstlichen, tief verankert – und wird zunehmend auch in der westlichen modernen Medizin integriert.

Meditation: Ein Segen

Zum Beispiel Meditation. Längst haben Wissenschaftler nachgewiesen, wie günstig sich diese spirituelle Technik auf das Gehirn und die Gesundheit auswirkt. Bei der Meditation beobachtet man sich selbst und achtet dabei auf die Atmung, seine Gefühle oder Körperempfindungen. „Wir lassen die Alltagsgedanken und Sorgen los und richten die Konzentration auf den inneren Wunsch der Heilung. In dem Moment des absoluten Loslassens und der maximalen Entspannung kann die Heilung durch Selbstheilung entstehen“, beschreibt es der Mediziner Dr. Lothar Hollerbach, Allgemeinmediziner mit Praxis für Ganzheitsmedizin in Heidelberg, der Meditation therapeutisch einsetzte.

Meditation könnte das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen verringern, ist Ergebnis neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse der American Heart Association. Studien ergaben, dass Meditation möglicherweise mit einer Verminderung von Stress, Angst und Depression sowie einer Verbesserung der Schlafqualität einhergeht. Darüber hinaus könnte sie helfen, den Blutdruck zu senken und die Raucherentwöhnung unterstützen. Zen oder die Kunst, den Schmerz zu lindern: Kann man durch meditative Übungen gegen Schmerzen unempfindlicher werden? Ja, sagen Fakire und buddhistische Mönche. Inzwischen auch Gehirnforscher. Dass Meditation die Schmerzwahrnehmung beeinflussen kann und dies mit bedeutsamen funktionellen und strukturellen Veränderungen des Gehirns einhergeht, wurde in den vergangenen Jahren durch eine Reihe von Studien bestätigt.

Hilfreiches Yoga

Yoga hilft – bei chronischen Schmerzen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder psychischen Belastungen, hat der Psychologe und Privatdozent Dr. Holger Cramer nun eine positive Bilanz seiner Untersuchungen gezogen. Der Forschungsleiter an der Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin der Kliniken Essen-Mitte hat mehr als 300 randomisierte Studien in seine Auswertung einbezogen. Während Laien Yoga meist mit dem Einnehmen teils skurriler Haltungen gleichsetzten, umfasse die ursprüngliche Lehre noch eine Vielzahl weiterer Aspekte, so der Psychologe. Dazu zählen auch Übungen zur Konzentration und Meditation, zu Selbstdisziplin und Atemkontrolle. Die Art der Übungen sei dabei mitentscheidend für den therapeutischen Erfolg. „Gegen Bluthochdruck etwa haben sich Yoga-Übungen als besonders wirksam erwiesen, die sich auf die Atmung konzentrierten“, sagt Cramer. Offenbar setzen diese als Pranayama bezeichneten Übungen körpereigene Mechanismen in Gang, die die Auswirkungen von chronischem Stress mildern. Der meditative Aspekt des Yoga wiederum scheint Patienten mit leichten Depressionen gut zu tun.

Die Veröffentlichung dieses Textes erfolgte mit freundlicher Genehmigung von CO.med, dem Fachmagazin für Komplementärmedizin. Dort erschien die ungekürzte Originalfassung unter dem Titel „Gott als Medizin“ in der Ausgabe des Monats August 2018.

Martina Schneider ist als Heilpraktikerin, Wingwave®-Coach, Reikimeisterin/-lehrerin, NLP-Master (DVNLP) in eigener Praxis in -Altenahr-Kreuzberg tätig. Sie leitet das Seminarhaus Schlüsselblume.
www.naturheilpraxis-in-kreuzberg.de

Adressen

Eine Übersicht über Yogalehrer gibt es beim Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland e.V., www.yoga.de

  • Christliche Meditationsstätte mit vielfältigem Angebot zu den Themen „Meditation“, „Fasten“, „Achtsamkeit“: Sonnenhaus Beuron – Eine Welt.
    www.sonnenhaus-beuron.de
  • Open Hands heißt die Schule des Handauflegens, die von der Heilerin Anne Höfler gegründet wurde. www.anne-hoefler.de

Beatrice Anderegg ist spirituelle Heilerin. Ihre Sitzungen sind oft lange im Voraus ausgebucht. Ein Gespräch über Glaube, Handauflegen und dem Vertrauen in eine höhere Macht.

Petra Weiß: Liebe Frau Anderegg, mit Ihrem Namen verbinden viele Menschen die Hoffnung auf Heilung. Mit welcher inneren Grundhaltung begegnen Sie den Hilfesuchenden?

Beatrice Anderegg: Hoffnung hat für mich eines der stärksten Heilungspotenziale überhaupt. Deshalb bemühe ich mich, die in jedem Menschen schlummernde, durch eine schwere Diagnose oftmals zutiefst erschütterte Hoffnung durch ein aufbauendes Gespräch und eine stärkende Handauflegung wieder zu festigen.

In Ihren Seminaren vermitteln Sie Ihre Erfahrungen und Einsichten mit einer bezaubernden Leichtigkeit. Ist Geistiges Heilen wirklich so einfach?

So wie ich das geistige Heilen verstehe, sind keine komplizierten Techniken oder Hokuspokus, der beeindrucken will, vonnöten. Die zweifelnden Jünger Jesu hatten sich beklagt, dass er sie ohne „Ausbildung“ oder vergleichbaren Erfolg zum Heilen geschickt hatte. Darauf entgegnete Jesus sinngemäß und frei zitiert: „Es genügt, wenn ihr nur den Glauben habt wie ein Senfkorn!“

Glauben bedeutet für mich keine blinde Unterwerfung an ein Dogma, das nur wenigen Frommen oder Angehörigen einer bestimmten Religionsrichtung vorbehalten ist. Glaube meint das bedingungslose Urvertrauen eines Kindes, das sich von starken Händen geborgen und getragen fühlt. Glaube beginnt dort, wo das intellektuelle „Wissen wollen“ aufhört und man sich gehalten fühlen kann in vertrauender Zuversicht, dass irgendetwas da oben hilft. Dies kann für einen Menschen ein Engel, der Heiland, die Madonna, Gott oder einfach etwas unbegreiflich Großes sein, das keiner beschreiben kann.

Wie läuft eine typische Sitzung ab?

Meine Heilsitzungen beginne ich stets mit einem anteilnehmenden, die Seele entlastenden Gespräch. Die Begegnung runde ich mit einer liebevollen, schlichten Handauflegung ab, bei der zumeist eine wärmende, den Körper stärkende Energie spürbar wird. Dabei öffne ich mich meinem Urvertrauen in die göttliche Macht und bitte um deren Heilkraft. Ich selbst trete innerlich zurück und sehe mich lediglich als ein Instrument, das ohne meine Hingabe und die Berührung Gottes nicht erklingen kann.

Für Geistiges Heilen gibt es keine zertifizierte Ausbildung und kein Diplom. Manche Angebote von so genannten Heilern erscheinen auf den ersten Blick eher fragwürdig.

Von „Geistheiler-Diplomen“ halte ich wenig. Heiler können durch ihre Zuwendung einen Genesungsprozess lediglich anstoßen. Das Wunder der Heilung geschieht letztlich durch eine höhere Gesetzmäßigkeit im Erkrankten selbst. Meine persönliche Ausbildung zur spirituellen Heilerin war die Schule des Lebens mit all seinen Sonnen- und Schattenseiten. Ich lernte aus meinen eigenen Krankheiten. Weitere Erfahrungen sammelte ich während gut 30 Jahren als seelsorgerische Begleiterin meines Mannes in seinem Pfarramt an der Psychiatrischen Universitätsklinik in Basel und durch die Zusammenarbeit mit dem großen englischen Heiler Tom Johanson.

Nehmen Sie schnellstmöglich Reißaus vor Geistheilern, die Heilung „garantieren“, übertriebene Honorare verlangen oder gar drängen, auf Arztbesuche und Medikamente zu verzichten! Ein Heiler braucht Mitgefühl, Nächstenliebe und bedingungsloses Vertrauen in die Heilkraft einer guten, höheren Macht, die oft dann noch eine positive Wendung herbeizuführen vermag, wenn alle menschlichen Bemühungen versagen.

Beatrice Anderegg verfügt seit mehr als 35 Jahren über Erfahrungen in Geistigem Heilen. 1995 wurde sie zur Mitgründerin des Angebots „Handauflegung und Gespräch“ in der Offenen Kirche Elisabethen in Basel. Heute gibt sie Erfahrungen in Vorträgen, Seminaren und Publikationen weiter.
www.urvertrauen.ch

Petra Weiß ist Heilpraktikerin, Medizinjournalistin und Buchautorin. www.praxis-lichtblick.eu
Der Text ist in einer längeren Fassung in der Zeitschrift Signal 2/2011 erschienen und hier mit freundlicher Genehmigung der Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e.V. abgedruckt.

 

Von Prof. Dr. med. Karin Kraft

Bei Diabetes mellitus helfen zwei naturheilkundliche Universalmittel: Gesunde Ernährung und viel Bewegung

Der Diabetes mellitus ist mittlerweile eine der großen Volkskrankheiten in Deutschland. Er verläuft bei jedem Menschen anders, weil zwei Komponenten daran beteiligt sind: Einerseits die Störung der Insulinausschüttung aus der Bauchspeicheldrüse, also des Hormons, das für die Aufnahme des Blutzuckers in die Körperzellen sorgt, andererseits die sogenannte Insulinresistenz. Dabei handelt es sich um eine verminderte Empfindlichkeit der Körperzellen gegenüber Insulin. Beide Komponenten steuern bei jedem Diabetiker in unterschiedlicher Weise das Fortschreiten der Erkrankung. Ihr Anteil kann sich zudem mit der Zeit verändern.

Kein Diabetiker ist wieder andere

Damit ist kein Diabetiker wie der andere und benötigt dementsprechend eine individuell angepasste Therapie. Zudem wird bei einer modernen Diabetestherapie nicht mehr nur der erhöhte Blutzucker gesenkt, sondern es müssen auch andere Probleme wie Adipositas, Bluthochdruck und erhöhte Blutfett- und Cholesterinwerte mitbehandelt werden. Dennoch lässt sich auch bei intensiver Therapie das Voranschreiten der Erkrankung nur um wenige Jahre hinauszögern. Dieser Zeitgewinn ergibt sich aber auch für die gefürchteten Folgeerkrankungen wie  Herzinfarkt oder Demenz – vor allem aber bei der Lebenserwartung. Es ist zudem klargeworden, dass es das eine Antidiabetikum nicht geben kann. Die fallgerechte Auswahl der Medikamente sollte deshalb vor allem in fortgeschrittenen Fällen in der Hand von Spezialisten bleiben. Sie richtet sich nach dem sogenannten HbA1c-Wert. So nennt man den  prozentualen Anteil des verzuckerten roten Blutfarbstoffs. Je höher der HbA1c-Wert,  desto schlechter ist der Diabetes eingestellt. Wird das individuelle HbA1c-Ziel erreicht, verringert sich auch das Risiko von Komplikationen wie Nierenfunktionseinschränkung, Netzhautveränderungen, Herzinfarkt und Schlaganfall.

Die neue medizinische S3-Leitlinie zum Diabetes mellitus führt erstmalig unter dem Label Lebensstiländerung auch zwei altbekannte naturheilkundliche Universalmittel auf, nämlich gesunde Ernährung und ausreichende Bewegung. Diese Maßnahmen sind parallel zur medikamentösen Therapie in allen Stufen des Diabetes mellitus fortzuführen. Eine strukturierte Schulung der Diabetiker, möglichst innerhalb einer Gruppe, ist notwendig und sinnvoll. Natürlich gehört auch eine Raucherentwöhnung dazu.  Hier besteht wegen der gegenwärtigen Personalprobleme im Gesundheitswesen ein breites Betätigungsfeld für die vom DNB ausgebildeten Naturheilberater. Ziel ist die Gewichtsreduktion bei Übergewicht sowie die Motivation zur gesunden und ausgewogenen Kost. Schon eine Gewichtsreduktion um 10 kg kann zu Beginn der Erkrankung zur Normalisierung der Blutzuckerwerte führen.

Prof. Dr. med. Karin Kraft ist Inhaberin des Lehrstuhls für Naturheilkunde an der Universitätsmedizin Rostock.
naturheilkunde.med.uni-rostock.de

 

Von Dr. phil. Rosina Sonnenschmidt

Es gibt jenseits der zwölf klassischen noch andere Schüßler-Salze, die man therapeutisch einsetzen kann. Wir stellen sie in einer Serie vor.

Das Halbmetall und Spurenelement Germanium ist in geringer Konzentration in der gesamten Erdkruste verbreitet. Es tritt mit Zink und Kupfererz auf. Ein großes Thema von Germanium ist „Beziehung“, ganz besonders die Mensch-Boden-  oder Mensch-Baumbeziehung. Am auffälligsten ist dies bei Obstbäumen. Mit dem Fallobst ernährt sich zuerst der Baum selbst. Zersetzt sich das Fallobst, reichert es den Boden mit Germanium an. Das hat zur Folge, dass die Früchte germaniumreich sind und dies dem Menschen zugutekommt. Ein weiteres großes Thema von Germanium betrifft die Psyche, die Mentalebene, die verbale Kommunikation. Kein Wunder, dass dieses Schüßlersalz auf das Gehirn wirkt.

Ich betrachte es als eines der wichtigsten Mittel unserer Zeit, weil wir trotz virtueller Kommunikationsmittel sprachlich und zwischenmenschlich verarmen. Germanium-arme Böden bringen germaniumarme Nahrung hervor. Leidet der Mensch unter Germaniummangel – was heute  schon bei jedem zweiten Kind der Fall ist – tauchen vermehrt folgende Symptome auf.

Symptomatik bei Germaniummangel:

Fehler beim Schreiben, Konzentrationsmangel, Lernschwäche, psychische Fixierungen und Beziehungsunfähigkeit. Hören auf die Meinung anderer, Unzufriedenheit mit sich selbst, Tadelsucht, Askese im Sinne militanter Ernährungs- und Verhaltensvorschriften.

Antlitz- und Körperzeichen:

Rechtsseitige Halsverdickung, Nackensteifigkeit, starre Gesichtszüge, wenig Mimik.

Therapeutische Maßnahmen:

Ernährung auf natürliche biologische-Lebensmittel umstellen. Einen Obstbaum umarmen und für seine germaniumreichen Früchte danken.

Dr. Rosina Sonnenschmidt ist international renommierte Homöopathin und Autorin von über 50 Fachbüchern. Ihr Wissen gibt sie zudem in Fachfortbildungen und Kursen weiter.
www.inroso.com

Von Dr. med. Susanne Bihlmaier

Foto: Creativ collection

Bei einer tiergestützten Therapie werden Tiere gezielt zur Behandlung von Kranken eingesetzt. Über die heilsame Wirkung von Vierbeinern auf Stationsfluren und in Arztpraxen.

Die 17-jährige Teenagerin schlurft in mein Sprechzimmer, wieder in schwarzem T-Shirt und schwarzen Hosen. Ihr Krebs ist metastasiert, sie hat keine Lust mehr, weder auf die Therapie noch auf das Leben an sich. Heute erwartet sie eine Überraschung: Königspudel Bonnie darf sie begrüßen. Die Hundeschnauze stupst das Mädchen an, eine Hand beginnt zögerlich das lockige Fell zu kraulen – und ein Lächeln huscht über das blasse Gesicht. Das erste Lächeln seit Monaten und auch die erste Bereitschaft seit Monaten, an der Lebensqualität zu arbeiten. Was geschieht hier?

„Hunde kommunizieren mit Menschen wie kaum ein anderes Tier. Hunde können im Gesicht der Menschen lesen, also menschliche Gemütszustände erfassen“, sagt Rainer Wohlfahrt, Präsident des  Europäischen Dachverbandes für tiergestützte Therapie (ESAAT). Hunde wirken oft wie ein Türöffner. Ein positiver Hund-Mensch-Kontakt führt zu einer vermehrten Ausschüttung des Kuschelhormons Oxytocin. „Dabei wird auch ein von Anspannung erhöhter Blutdruck gesenkt und es werden Ängste gelindert.“

Der Europäische Dachverband ESAAT fördert die Verbreitung tiergestützter Therapien, also Behandlungsverfahren, bei denen Tiere – etwa Pferde oder Hunde – eingesetzt werden, um körperliche und seelische Erkrankungen zu behandeln. Tiergestützte Therapie eignet sich bei allen schweren und chronischen -Erkrankungen, sie hilft Patienten dabei, den Blick wieder nach vorne zu richten und neuen Lebensmut zu schöpfen. Über das Verhalten des Tieres werden auch Empfehlungen zum eigenen Gesundheitsverhalten erfahrbar. Zudem mindert der Umgang mit Tieren Stress und trägt zur Verbesserung des Selbstvertrauens bei. Bei dem krebskranken Mädchen ebnet Bonnie den Weg für Gespräche, die sie aus ihrer diagnosebedingten Schwermut herausführen sollen. Das wiederum hilft nicht nur der jungen Patientin selbst, sondern auch der Familie – und später auch bei der Behandlung in der Klinik.

Patient muss zustimmen 

Wer als Therapeut mit Tieren arbeiten will, muss dafür bestimmte, vom Dachverband festgelegte Standards befolgen. Ich und Bonnie sind ein von ESAAT geprüftes „Tier-Therapeuten-Team“. Dazu haben wir eine zertifizierte Ausbildung in Zusammenarbeit mit dem wissenschaftlich arbeitenden Freiburger Institut für tiergestützte Therapie durchlaufen. Bonnie wirkt im Sprechzimmer über ihre sanfte Kontaktaufnahme, ihr vorurteilsfreies Akzeptieren eines kranken Menschen. Der Kontakt geschieht unter Aufsicht des hundeführenden Therapeuten – und auch nur, wenn ein Patient nach erfolgter Aufklärung zustimmt.

Hund und Hygiene

Tiere, die als Co-Therapeuten eingesetzt werden, müssen selbstverständlich gepflegt und geimpft sein, ebenso ist eine dokumentierte tierärztliche Betreuung notwendig. Bei meiner krebskranken Patientin bestätigt nach eingehender Prüfung das Robert Koch Institut, dass die Vorteile einer tiergestützten Therapie gegenüber möglichen gesundheitlichen Risiken überwiegen. Für den Patientenkontakt gelten die gleichen Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen wie sonst auch. Wäre das Immunsystem des Teenagers chemotherapeutisch geschwächt, würde kein Patienten-Hund Kontakt stattfinden. Pudel sind zudem doppelt geeignet für ein Mitwirken auf Stationsflur oder Arztpraxis, denn sie haaren nicht. Statt des normalen Hundefells haben sie menschenähnlich stetig lang-wachsendes Haar, welches gebürstet, gebadet und geschnitten werden muss. Deswegen sind Pudel auch verträglich für Allergiker – andernfalls könnte Bonnie auch nicht in der Praxis dabei sein, denn hier werden viele Heuschnupfen-Betroffene akupunktiert.

Krebspatienten profitieren

Im Jahr 2016 untersuchte der New Yorker Arzt Dr. Fleishman und sein Team vom Beth Israel Medical Center die Auswirkungen von Hundebesuchen in Krebszentren. Das Ergebnis: Obwohl sich das körperliche Allgemein-empfinden während einer Chemotherapie erwartungsgemäß deutlich verschlechterte, konnte mit einem täglichen -Hundebesuch das soziale Wohlbefinden signifikant verbessert werden. Von Hunden besuchte Chemotherapie-Patienten hatten weniger Angst, waren entspannter und sogar zufriedener mit der -Chemotherapie. Hunde wirken demnach klassisch komplementär, das heißt, sie ergänzen und unterstützen die klinische Therapie.

Therapeutischer Spaziergang

„Der beste Weg zur Gesundheit ist der Weg zu Fuß“ wusste schon Naturheiler Sebastian Kneipp. Seit einiger Zeit unterhalte ich mich mit meinem Patienten nicht nur in der Praxis, sondern während eines Spaziergangs in der Natur, selbstverständlich in der Begleitung von Therapiehund Bonnie. Der Vorschlag, über Diagnose und den weiteren Therapieverlauf während eines therapeutischen Waldganges zu sprechen, klingt ungewöhnlich, wird aber meist gerne angenommen. Erstaunt beobachte ich als Ärztin, wie viel leichter es manchen Menschen fällt, sich mitzuteilen, wenn wir uns nicht im Sprechzimmer gegenüber sitzen, sondern nebeneinander her gehen.

Tiere nicht überfordern

Pausen sind wichtig, auch für Therapiehunde. Bonnie darf selbst entscheiden, ob und wie lange sie sich streicheln lässt, und wann sie sich in ihre „Höhle“ zurückzieht, eine stoffene Box. Bevor wir in die Praxis gehen, wird ausgiebig getobt und gespielt, ebenso hinterher. Auch ich lerne von Bonnie, wie wichtig die Balance aus Aktivität und Regeneration für die Gesundheit ist. Nur wer selbst auftankt und entspannt, kann Impulse weitergeben.

Dr. med. Susanne Bihlmaier, Ärztin für Naturheilverfahren, Chinesische Medizin und Komplementär-Onkologie, Dozentin und Autorin des Koch- und Gesundheitsbuches „Tomatenrot+Drachengrün“.
www.bihlmaier-tcm.de/

www.esaat.org/
www.tiere-begleiten-leben.de

Foto: creativ collection

Als eine der wenigen gesetzlichen Krankenkassen erstattet die BKK ProVita die Kosten für natürliche Heilmethoden und setzt sich für pflanzliche Ernährung ein. Warum, erklärt Vorstand Andreas Schöfbeck.

DNBImpulse: Schüssler-Salze, Globuli, Osteopathie – Versicherte, die naturheilkundliche Behandlungsmethoden in Anspruch nehmen, müssen das normalerweise aus eigener Tasche bezahlen. Die BKK ProVita hingegen erstattet Kosten für homöopathische und pflanzliche Arzneimittel. Warum?

Andreas Schöfbeck: Wir glauben, dass zu einem modernen Gesundheitssystem neben einer guten Schulmedizin auch natürliche Heilmethoden wie Homöopathie, pflanzliche Arzneimittel und Osteopathie gehören. Darauf vertrauen Menschen, die ganzheitlich denken und diese Menschen wünschen sich von ihrer Krankenkasse solche Leistungen. Deshalb haben wir unser Leistungsangebot um alternative Heilmethoden ergänzt, die zielgerichtet und ganzheitlich wirken.

Sie belohnen Menschen mit gesundheitsbewusstem Verhalten im Rahmen von Bonusprogrammen mit Zusatzleistungen oder einer Geldprämie.

Ja genau, wir setzen auf die Eigenverantwortung unserer Versicherten. Wir wollen sie dabei unterstützen, ihre Gesundheit zu bewahren.

Zudem gehen Sie mit der BKK ProVita auch die Themen Achtsamkeit und bewusste Ernährung an.

Uns ist es wichtig, dass die Menschen wieder in ihre Mitte finden, gerade bei Erkrankungen wie Burn-out ist das essentiell. Daher bezuschussen wir nicht nur Kurse, die das Herz-Kreislauf-System trainieren, wie z. B. Nordic Walking, sondern auch Entspannungsverfahren wie Tai-Chi oder Meditation. Ein anderes Thema, bei dem wir ansetzen, ist die Ernährung….

….die BKK ProVita setzt sich als eine der wenigen gesetzlichen Krankenkassen für eine pflanzliche Lebensweise ein. Was macht Ihre Krankenkasse für Veganer attraktiv?

Wir unterstützen unsere Versicherten, die sich pflanzlich ernähren. So bezuschussen wir Präventionskurse zur veganen Ernährung, wir erstatten Literatur zum Thema und wir bieten Ernährungsberatung auch in veganer Ernährung an – kostenfrei. Außerdem arbeiten wir mit ProVeg, dem ehemaligen Vegetarierbund, zusammen und unterstützen die Aktion Pflanzen-Power, die Kinder in Schulen über gesunde pflanzenbasierte Ernährung aufklärt. Wir kochen zusammen mit Kindern und zeigen, dass auch vegane Spaghetti Bolognese gut schmecken können.

Sie selbst leben seit vielen Jahren vegan – gab es einen Auslöser?

Ja, das hat mit meinem persönlichen Lebensweg zu tun. Vor einigen Jahren ging es mir sehr schlecht, ich musste am Herzen operiert werden, die Ärzte gaben mir nicht mehr viel Zeit. Da habe ich angefangen nachzudenken, mich über naturheilkundliche Methoden zu informieren und mich intensiv mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zu gesunder Ernährung zu befassen. Ich habe meine Ernährung umgestellt, erst auf vegetarisch, dann auf vegan: Schon nach einiger Zeit waren meine Blutfettwerte so niedrig, dass ich die Cholesterinsenker absetzen konnte, die ich jahrelang einnehmen musste. Außerdem habe ich 15 Kilo abgenommen. Mir geht es eindeutig besser.

Vegetarische und vegane Ernährung sind gerade im Trend. Wollen Sie als Krankenkasse hier aufspringen?

Ich will, dass sich die Idee einer pflanzlichen Ernährung mittelfristig in der Gesellschaft verankert. Menschen, die sich pflanzlich ernähren, haben ein geringeres Risiko, an Bluthochdruck, Diabetes, Herzinfarkt und Krebs zu erkranken. Wenn mehr Bewusstsein für pflanzenbasierte Ernährung da ist, dann profitieren wir als Krankenkasse davon. Aber Ernährung hat mehrere Dimensionen, es geht auch um die ethischen Aspekte von Massentierhaltung und deren Auswirkungen auf die Umwelt.

In unseren Bemühungen um pflanzenbasierte Ernährung konnten wir vor Kurzem einen großen Erfolg verzeichnen: Die „Aktion Pflanzen-Power“ wurde mit dem Klimaaktionspreis der Vereinten Nationen „Momentum for Change“ ausgezeichnet, der zum ersten Mal nach Deutschland ging. Pflanzenbasierte Ernährung ist nicht nur ein Trend, sondern wird zunehmend anerkannt und mittlerweile werden ihre positiven Auswirkungen auf die Umwelt auch honoriert.

Als Krankenkasse müssen Sie auch wirtschaftlich arbeiten. Sind die vielen Extraleistungen für alternative Methoden der Grund dafür, dass der Beitragssatz der BKK ProVita mit 15,9 Prozent um 0,3 Prozentpunkte höher liegt als der Durchschnitt?

Nein, das hat damit nichts zu tun. Wir haben den Beitrag vor zwei Jahren angepasst, bis dahin lagen wir leicht unter dem Durchschnitt. Unser höherer Beitragssatz entspricht in etwa den Kosten für zwei Cappuccino im Monat. Dafür erhalten unsere Versicherten viele tolle Leistungen.

Wenn es also keine wirtschaftlichen Nachteile hat, warum ziehen dann andere Krankenkassen nicht nach?

Alles was wir anbieten, können auch andere anbieten. 95 Prozent des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenkassen schreibt ohnehin der Gesetzgeber vor, nur fünf Prozent lassen sich individuell gestalten. Aber leider herrscht im Gesundheitswesen immer noch eine gewisse Unkenntnis über die therapeutische Wirkung von ganzheitlichen Ansätzen vor. Auch da wollen wir ansetzen. Wir haben in diesem Jahr einen wissenschaftlichen Beirat gegründet, der uns beratend zur Seite steht. Wir konnten dafür acht Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Politik gewinnen. Mit dabei sind der Psychoneuroimmunologe Dr. Christian Schubert und Prof. Dr. Michalsen vom Immanuel Krankenhaus Berlin. Gemeinsam wollen wir Veränderungen im Gesundheitssystem hin zu ganzheitlicher Medizin anstoßen.

Andreas Schöfbeck ist Vorstand der BKK -ProVita. Die bundesweit geöffnete gesetzliche Krankenkasse wurde 1862 als Betriebskrankenkasse der München Dachauer Papierfabriken gegründet und firmiert heute unter BKK ProVita – Die Kasse fürs Leben. Mit rund 120.000 Versicherten zählt sie zu den 50 größten gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland. Sie ist Premium Partner des Naturheilbundes.
www.bkk-provita.de

 

 

Ärzte müssen über Behandlungsoptionen aufklären, aber Naturheilverfahren fallen dabei oft unter den Tisch. Worauf Patienten achten können.

Von Prof. Dr. med. Karin Kraft und Dr. med. Wolfgang May; Foto: creativ collection

Bekanntlich darf eine ärztliche Behandlung nur mit dem Einverständnis des Patienten erfolgen. Nur aufgrund einer umfassenden Aufklärung kann er die Entscheidung zu einer Behandlung treffen. Leider werden dabei komplementärmedizinische Behandlungen immer noch zu wenig einbezogen. Die Folge: Patienten wissen oft gar nicht, dass es Alternativen zur schulmedizinischen -Behandlung gibt. Dabei sind die Aufklärungspflichten des Arztes vom Gesetzgeber im § 630e Absatz 1 Satz 1 und 2 BGB geregelt. Es besagt, dass Patienten auch umfassend über Behandlungsalternativen informiert sein müssen. Wenn die Aufklärung unterbleibt oder lückenhaft war, ist die Zustimmung zur Behandlung unzulänglich und die Therapiemaßnahme rechtlich fragwürdig. Der Arzt kann zudem für alle Folgeschäden haftbar gemacht werden. Der Haken dabei: Zwar sind laut BGB Behandler verpflichtet, über alternative Therapiemethoden aufzuklären. Aber nur dann, wenn diese zum medizinischen Standard gehören – also in der Behandlungsleitlinie des jeweiligen Krankheitsbildes mit neutraler oder positiver Empfehlung erwähnt werden. Das ist immer noch zu selten der Fall. In einigen Behandlungsleitlinien wurden Naturheilverfahren und bewährte konservative Therapien bereits integriert. Aber selbst dann fehlen sie oft als Behandlungsmöglichkeit auf den Aufklärungsbögen, weil diese nicht auf dem neuesten Stand sind. Patienten sollten daher immer fragen, ob der ihnen vorgelegte Aufklärungsbogen der aktuellen Leitlinie angepasst wurde.

Inhalte des Gesprächs

Das Aufklärungsgespräch muss der behandelnde Arzt stets selbst durchführen. Die folgenden Punkte sollten besprochen werden:

  • Status (Stand) der Erkrankung (Befunde, Diagnostik, Prognose)  
  • Art, Notwendigkeit und Dringlichkeit des Heileingriffs
  • Gefahren und Folgen des Eingriffs, Häufigkeit und Schwere der Komplikationen   
  • mögliche Alternativen zum vorgeschlagenen Eingriff und Folgen der Nichtbehandlung   
  • mögliche wirtschaftliche Risiken, etwa ob die Übernahme der Kosten durch die Krankenversicherung fraglich oder ausgeschlossen ist

Anschließend muss der Patient sein Einverständnis in die geplante Maßnahme auf einem Aufklärungsbogen erklären. Dieser muss folgende Informationen enthalten:

  • Die Namen der Verfasser und das Erstellungsdatum des Aufklärungsbogens
  • eine genaue Erklärung der geplanten Maßnahme mit verständlichen Worten  
  • erforderliche Maßnahmen zur Vorbereitung oder im Anschluss an den Eingriff   
  • Hinweise auf die Fahrtüchtigkeit und mögliche Einschränkungen
  • Informationen zu möglichen Folgeeingriffen nach der aktuellen Behandlung
  • mögliche Alternativen zum vorgeschlagenen Heileingriff und Folgen der Nichtbehandlung
  • Bewertung des Nutzens des Eingriffs im Vergleich mit den Behandlungsalternativen
  • Möglichkeiten der Schädigung, auch im Vergleich zu den Behandlungsalternativen

Ganz wichtig ist die eigenhändige Unterschrift des Patienten einschließlich Behandlungsort und Datum des Aufklärungsgespräches. Der geplante Eingriff darf erst frühestens 24 Stunden nach der Unterzeichnung des Aufklärungsbogens stattfinden, damit der Patient genügend Bedenkzeit hat. Das bedeutet, er kann auch nach der Unterschrift den Eingriff noch ablehnen. Bei einer Therapie mit Spritzen, Impfungen und Massagen reicht nach derzeitiger Rechtsprechung jedoch eine mündliche Aufklärung des Patienten aus. Sie muss vom Behandler dokumentiert werden.

Prof. Dr. med. Karin Kraft ist Inhaberin des -Lehrstuhls für Naturheilkunde an der medizinischen Fakultät der Uni Rostock.
www.naturheilkunde.med.uni-rostock.de
Dr. med. Wolfgang May ist Internist, Arzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin, Homöopathie und Naturheilverfahren. www.dr-wolfgang-may.de