Magie des Mondes

Die Anziehungskraft des Mondes – sie wirkt auch auf uns moderne Menschen: So war der Vortragsraum des Naturheilvereins Weserbergland im Hamelner Hefehof wieder gut gefüllt als Horst Thiel, Leiter der Sternwarte Bad Driburg, unseren Nachbarplaneten Mond aus ungewohnter Perspektive und mit faszinierenden Bildern präsentierte.

Wie für Horst Thiel, der von Haus aus Physiker ist, ist der Mond seit Jahrhunderten ein Forschungsobjekt für die Menschen. Bis 1609 konnten die Astronomen den Mond allerdings nur mit bloßem Auge beobachten und ihre wissenschaftlichen  Schlüsse ziehen. Erst  1609 entwickelte Galileo Galilei das in Holland erfundene Fernrohr weiter und erreichte bald eine acht- bis neunfache, später sogar  33-fache Vergrößerung. Damit  konnte er erstmals die Krater und Meere, von denen er glaubte, sie enthielten Wasser, auf der Mondoberfläche erkennen.

Auch die Entstehung des Mondes war Gegenstand der Forschung, wofür der Referent ein heute absurd erscheinendes Beispiel brachte: So ging Georg Howard Darwin, der Sohn von Charles Darwin, noch 1878 davon aus, dass die Erde in ihrer Frühphase so stark rotierte, dass sich ein Teil ablöste und den Mond bildete. Im Pazifischen Ozean sah er die heute noch sichtbare Narbe dieser Abspaltung. Horst Thiel erläuterte ebenfalls die Kollisionstheorie als  heute gängige Hypothese zur Entstehung  des Mondes. Seit Mitte der 1980er-Jahre hat sich die Ansicht durchgesetzt, dass der Mond nach einem seitlichen Zusammenstoß der Erde mit einem etwa marsgroßen Körper entstanden ist. Nach dieser Hypothese ist ein großer Teil der abgeschlagenen Materie beider Körper in eine Umlaufbahn um die Erde gelangt und hat sich dort zum Mond geballt. Der Mond ist aber nicht nur Forschungsobjekt, von jeher hat er die Menschen auch auf ganz andere Weise fasziniert. Man schreibt ihm alle möglichen positiven und negativen Einflüsse auf die Menschen zu: erhöhte Selbstmordraten, schwere Verkehrsunfälle, Schlaflosigkeit, Steigerung der Geburtenzahl bei Vollmond, besseres Pflanzenwachstum und vieles mehr. Sogar Holz, das nach dem Mondkalender geschlagen wird, soll außergewöhnliche Eigenschaften besitzen.

Horst Thiel entzauberte einige dieser Mythen, die sich statistisch durch nichts belegen lassen. Der Referent lieferte aber Beispiele dafür, wie groß der Einfluss des Mondes auf die Menschen dennoch ist. Unsere Sprache zeigt dies eindrucksvoll, so stammt das Wort „Monat“ von „Mond“, das englische Wort „lunatic“ (verrückt) kommt vom lateinischen Wort „luna“ (Mond). Auch ist inzwischen wissenschaftlich nachgewiesen, dass sich mit den Veränderungen des Mondes auch verschiedene physiologische Vorgänge im menschlichen Körper verändern, z.B. die Gelbempfindlichkeit der Netzhaut, der Blutzuckerspiegel und die Hormonkonzentration im Blut. Schon 1841 wies der Geophysiker Kreil nach, dass der Mond Schwankungen des Erdmagnetfeldes hervorruft. Diese sind von der Monddeklination abhängig, nicht von den Mondphasen.

Hier steckt die Forschung noch in den Anfängen, und Horst Thiel wird sicher bei seinen nächsten Vorträgen bereits von neuen Forschungsergebnissen berichten können.

Dr. Astrid Sebastian

Naturheilverein Weserbergland e.V.