Immunaktive Luft und Heilkräuter: Wald und Wiese halten alles bereit zur Revitalisierung – ganz ohne Chemie und sogar kostenfrei.

Von Dr. med. Susanne Bihlmaier und Dipl. Biologe Armin Bihlmaier, Foto: creativ collection

„Der beste Weg zur Gesundheit ist der Weg zu Fuß“ wusste schon der Bad Wörishofener Pfarrer Sebastian Kneipp – und diese Aussage ist inzwischen sogar wissenschaftlich belegt. Im Jahr 2004 erforschten die japanische Behörde für Forstwirtschaft, das Forschungsinstitut für Wald und Waldprodukte und das Zentrum für Medizin Nippon die Wirkung des Waldes auf die menschliche Gesundheit. Sie fanden heraus: Wer regelmäßig im Wald ist, bildet mehr antikrebs-aktive Killerzellen, angeregt durch abwehrende Phytonzide, mit denen sich Pflanzen vor Insekten und Bakterien schützen. Der Studienleiter Dr. Li überprüfte dieses Forschungsergebnis ganz praktisch und schickte zwei Wandergruppen los, eine in den Wald, eine in die Stadt. Und tatsächlich, die „Waldwanderer“ hatten einen niedrigeren Blutdruck als die „ Stadtwanderer“, zudem weniger Stresshormone im Blut und einen ruhigeren Puls. Gesundheitsaktiv wirkt schon ein Waldspaziergang von zwei Stunden in der Woche.

Ein Wäldchen tut es auch

Kein großer Wald in der Nähe? Macht nichts! Die Wirkung kann man sogar in einem kleinen Waldstreifen direkt neben einer Autobahn erspüren. Kaum betritt man die wenigen Meter Wäldchen, wird die Geräuschkulisse gedämpfter. Die Luft riecht würziger. Die fest verwurzelten Bäume wirken wie eine unerschütterliche Gegenkraft zu dem rasenden Verkehr. Wer schon hier den Unterschied spürt, wird sich in einem größeren Wald mit einsameren Wegen wie im (grünen) Himmel fühlen.

Und selbst im kleinsten Grünstreifen ist Platz für eine ganz einfache Übung: Beine schulterbreit, die Knie ganz, ganz leicht gebeugt, also einfach nur nicht durchgestreckt. Federn Sie minimal, kaum sichtbar in den Knien, und bringen Sie damit kleine Impulse in die winterstarren Knie- und Fußgelenke. Wenn Sie sich mit dieser Übung wieder „wie verwurzelt“ fühlen, dann schauen Sie hoch zum neu sprießenden Blätterdach und recken sich langsam, greifen mal rechts, mal links nach den Wolken. Schon nach wenigen Momenten spüren Sie, wie neues Leben in die Faszien kommt, die Muskeln wieder durchblutet werden und die Beweglichkeit zurückkehrt. Auch die Atmung wird angekurbelt und tankt all die abwehrstärkenden Stoffe des Waldes, die ätherischen Öle, die Phytonzide.

Natürliche Notfall-Apotheke

Neben den natürlich vorhandenen Naturkräften bietet die Natur eine reiche Notfallapotheke für viele Zipperlein und auch handfeste Gesundheitsprobleme. Sind Sie, von der ersten Frühlingssonne begeistert, mit neuem Schuhwerk losgelaufen und mitten auf Feld und Flur fangen diese an zu drücken? Zwicken Sie das Blatt eines Breitwegerichs ab und legen es zwischen Ferse und Socke. Oder hat Sie ein Insekt gestochen und es juckt und will anschwellen? Quetschen oder kauen Sie ein paar Spitzwegerich-Blätter und drücken diese auf den Insektenstich.

Für gesundheitsstärkendes Naturerleben bedarf es nur einer kleinen, aber guten Ausstattung: zum Beispiel haltgebendes Schuhwerk wie leichte, knöchelhohe Wanderschuhe. Bei Regen wie bei Sonne stört ein Hut mit breiter Krempe am wenigsten, zudem hat man die Hände frei, etwa zum Erfühlen einer Baumrinde, zum Berühren von Pflanzen, zum Spielen mit den Kindern und dem Hund oder zum Fotografieren. Baseball-Kappen hingegen bescheren Sonnenbrand an den Ohren und Regenrinnsale im Kragen. Eine Mindestration Wasser gehört immer ins Gepäck, bruchsicher in einer 0,5 Liter Weichmacherfreien Hartplastikflasche. Für Notfälle habe ich immer eine Mini-Trillerpfeife dabei und mein Schweizer Mini-Taschenmesser, die kleine, aber vollwertige Variante des großen Traditionsbruders.

Ganzheitlich grüne Medizin

Mit Freunden und Familie in die Natur hinaus, das regt an zum gemeinsamen Entdecken, zum miteinander Reden und Spielen. Alleine durch die Landschaft zu streifen, verbindet die Seele intensiv mit der Natur. Ein geführter Natur-Spaziergang hingegen vermag ganz neue Wissenswelten öffnen, lässt Ehrfurcht wachsen und im Staunen ein tiefes Wohlbefinden entstehen. Gesundheitsaktive Naturwirkung beginnt beim Wahrnehmen von ganz kleinen, alltäglichen Naturwundern. Das kurbelt die körpereigene Produktion von Glückshormonen an und schenkt uns neue Vitalität und neue innere Balance. Ganz gleich, ob Familienausflug oder geführte Natur-Tour, hier zeigt sich die alte Weisheit von ihrer schönsten und wirkkräftigsten Seite: Der Weg ist das Ziel!

Dr. med. Susanne Bihlmaier ist Ärztin für Naturheilverfahren, Chinesische Medizin und Komplementär-Onkologie, Dozentin und Buchautorin, www.bihlmaier-tcm.de
Dipl.Biologe Armin Bihlmaier, Naturpädagoge und Landschaftsführer, www.gruenkraftpfade.de