Beatrice Anderegg ist spirituelle Heilerin. Ihre Sitzungen sind oft lange im Voraus ausgebucht. Ein Gespräch über Glaube, Handauflegen und dem Vertrauen in eine höhere Macht.

Petra Weiß: Liebe Frau Anderegg, mit Ihrem Namen verbinden viele Menschen die Hoffnung auf Heilung. Mit welcher inneren Grundhaltung begegnen Sie den Hilfesuchenden?

Beatrice Anderegg: Hoffnung hat für mich eines der stärksten Heilungspotenziale überhaupt. Deshalb bemühe ich mich, die in jedem Menschen schlummernde, durch eine schwere Diagnose oftmals zutiefst erschütterte Hoffnung durch ein aufbauendes Gespräch und eine stärkende Handauflegung wieder zu festigen.

In Ihren Seminaren vermitteln Sie Ihre Erfahrungen und Einsichten mit einer bezaubernden Leichtigkeit. Ist Geistiges Heilen wirklich so einfach?

So wie ich das geistige Heilen verstehe, sind keine komplizierten Techniken oder Hokuspokus, der beeindrucken will, vonnöten. Die zweifelnden Jünger Jesu hatten sich beklagt, dass er sie ohne „Ausbildung“ oder vergleichbaren Erfolg zum Heilen geschickt hatte. Darauf entgegnete Jesus sinngemäß und frei zitiert: „Es genügt, wenn ihr nur den Glauben habt wie ein Senfkorn!“

Glauben bedeutet für mich keine blinde Unterwerfung an ein Dogma, das nur wenigen Frommen oder Angehörigen einer bestimmten Religionsrichtung vorbehalten ist. Glaube meint das bedingungslose Urvertrauen eines Kindes, das sich von starken Händen geborgen und getragen fühlt. Glaube beginnt dort, wo das intellektuelle „Wissen wollen“ aufhört und man sich gehalten fühlen kann in vertrauender Zuversicht, dass irgendetwas da oben hilft. Dies kann für einen Menschen ein Engel, der Heiland, die Madonna, Gott oder einfach etwas unbegreiflich Großes sein, das keiner beschreiben kann.

Wie läuft eine typische Sitzung ab?

Meine Heilsitzungen beginne ich stets mit einem anteilnehmenden, die Seele entlastenden Gespräch. Die Begegnung runde ich mit einer liebevollen, schlichten Handauflegung ab, bei der zumeist eine wärmende, den Körper stärkende Energie spürbar wird. Dabei öffne ich mich meinem Urvertrauen in die göttliche Macht und bitte um deren Heilkraft. Ich selbst trete innerlich zurück und sehe mich lediglich als ein Instrument, das ohne meine Hingabe und die Berührung Gottes nicht erklingen kann.

Für Geistiges Heilen gibt es keine zertifizierte Ausbildung und kein Diplom. Manche Angebote von so genannten Heilern erscheinen auf den ersten Blick eher fragwürdig.

Von „Geistheiler-Diplomen“ halte ich wenig. Heiler können durch ihre Zuwendung einen Genesungsprozess lediglich anstoßen. Das Wunder der Heilung geschieht letztlich durch eine höhere Gesetzmäßigkeit im Erkrankten selbst. Meine persönliche Ausbildung zur spirituellen Heilerin war die Schule des Lebens mit all seinen Sonnen- und Schattenseiten. Ich lernte aus meinen eigenen Krankheiten. Weitere Erfahrungen sammelte ich während gut 30 Jahren als seelsorgerische Begleiterin meines Mannes in seinem Pfarramt an der Psychiatrischen Universitätsklinik in Basel und durch die Zusammenarbeit mit dem großen englischen Heiler Tom Johanson.

Nehmen Sie schnellstmöglich Reißaus vor Geistheilern, die Heilung „garantieren“, übertriebene Honorare verlangen oder gar drängen, auf Arztbesuche und Medikamente zu verzichten! Ein Heiler braucht Mitgefühl, Nächstenliebe und bedingungsloses Vertrauen in die Heilkraft einer guten, höheren Macht, die oft dann noch eine positive Wendung herbeizuführen vermag, wenn alle menschlichen Bemühungen versagen.

Beatrice Anderegg verfügt seit mehr als 35 Jahren über Erfahrungen in Geistigem Heilen. 1995 wurde sie zur Mitgründerin des Angebots „Handauflegung und Gespräch“ in der Offenen Kirche Elisabethen in Basel. Heute gibt sie Erfahrungen in Vorträgen, Seminaren und Publikationen weiter.
www.urvertrauen.ch

Petra Weiß ist Heilpraktikerin, Medizinjournalistin und Buchautorin. www.praxis-lichtblick.eu
Der Text ist in einer längeren Fassung in der Zeitschrift Signal 2/2011 erschienen und hier mit freundlicher Genehmigung der Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e.V. abgedruckt.