Die Idee, den Naturheilbund „in seinem Schloss“ zu besuchen, kam von uns, aber eher vage – die konkreten Veranstaltungspunkte hat Sabine Neff vom DNB entwickelt und teilweise vorbereitet. Und das DNB-Team scheute keine Mühen, so dass schon der Auftakt im Schloss Bauschlott die kleine Reisesgruppe des NHV Taunus mit Freude ankommen ließ: Bei einem kleinen Imbiss in den repräsentativen und geschmackvoll gestalteten Räumen stellten wir uns gegenseitig vor, dann hielt Sabine Neff einen Vortrag über Geschichte und Säulen der Naturheilkunde. Für die meisten Teilnehmer war das vollkommen neu: Wie alt die Naturheilbewegung ist, wie bedeutend die Naturheilvereine und er Dachverband einst waren, welche Ziele sie heute verbindet und welche Aktivitäten der DNB entfaltet. Außerdem gab es noch konkrete Ernährungs- und Bewegungstipps für einen gesunden Alltag – von der weitgehend zuckerfreien Kost bis zum Fitnesstraining auf dem Minitrampolin.
Anschließend wurden wir von Schlossherrin Yvonne Hagemeister durch den einzigarten Schlosspark geführt, gestaltet im Stil eines englischen Landschaftsgartens. Ein Spaziergang durch die Botanik mit viel Geschichte und Geschichten. Schon im Innenhof faszinierte uns der japanische Pflaumenbaum, am Eingang zum Park erwartete uns dann eine unglaubliche Platane mit 10 Meter Umfang, und so ging es weiter, vorbei an einer Blutbuche und einer Traubenkirsche, einem als Baum ausgewachsenen Pfaffenhütchen bis hin zu einem uralten Ginkgobaum, den man kaum als solchen erkannt hätte. Und immer wieder große Teppiche von Bärlauch, an denen wir uns für die Pesto-Produktion zu Hause versorgen durften. Eigentlich dachten wir, eineinhalb Stunden sei eine lange Zeit für eine Parkführung, aber sie verging schnell, zumal die Schlossherrin lebhafte Anekdoten aus der Geschichte von Schloss und Park, in dem sie ihre Jugend verbracht hatte, zum Besten gab.
Im Garten des Schlosscafes „Frohköstlich“ nahmen wir in herrlicher Frühlingsatmosphäre ein liebevoll zubereitetes, veganes Mittagessen al la carte zu uns. Unter dem Magnolienbaum hätten wir es noch länger ausgehalten, zumal man beim Blick nach oben gegen den klaren, blauen Himmel wirklich den Blüten beim Aufgehen zuschauen konnte. Aber wir hatten noch ein Highlight vor uns. DNB-Vizepräsidentin Ursula Gieringer, die mittlerweile aus Heidelberg herübergekommen war, um „den NHV Taunus zu begrüßen“, begleitete uns noch zum Bus – und dann ging es ins nahegelegene Koster Maulbronn.
Die besterhaltene Klosteranlage nördlich der Alpen, mehr als 400 Jahre von den Zisterziensern geprägt, gehört bereits seit 25 Jahren zum Unesco-Weltkulturerbe. Wir ließen uns führen und unsere Allgemeinbildung erweitern. Wer weiß schon (zumindest nördlich des Mains), was eine Pfisterei ist (eine Bäckerei)? Oder woher der Spruch „Halt die Klappe!“ kommt? Wenn der Mönch im Chorgestühl angelehnt bzw. halb sitzend auf dem Klappsitz drohte einzunicken, wurde er von Mitbrüdern ermahnt …
Was für ein gigantisches Gebäude, wie klar durchdacht und organisiert, etwa in punkto Wasser und Abwasser, aber vor allem: was für ein Leben! Sieben Stunden Beten plus eine zusätzliche Messe täglich, und danach … Schweigen. Unbeheizte Räume, weitgehend vegetarisches Essen (Fisch war erlaubt) – wir konnten alles richtig nachempfinden, nicht zuletzt den extremen Temperaturunterschied von drinnen und draußen, und waren am Ende trotz der spannenden Führung wieder froh, in die Sonne zu kommen und vielleicht das erste Eis des Jahres zu essen.
Auch der gesellige Teil kam nicht zu kurz, manche Teilnehmer haben sich neu kennen gelernt, andere staunten nicht schlecht, dass sie alte Bekannte aus ganz anderen Zusammenhängen wieder trafen und sich neu verknüpften.
So ein Tag, zumal wenn das Wetter mitspielt und man ein bisschen Glück auf der Straße hat, ist ein Geschenk. Danke allen, die dazu beigeragen haben – und explizit nochmals dem DNB. Anderen Naturheilvereinen kann man die Nachahmung einer solchen „Kultour“ wärmstens empfehlen!

Christoph Wagner
NHV Taunus