Der DNB fordert eine effektive Klima- und Umweltpolitik – mit allen Maßnahmen, die für nicht verunreinigtes Wasser notwendig sind.

Von Dr. med. Wolfgang May

Welche drastischen Auswirkungen der Klimawandel in Zukunft auf die menschliche Gesundheit haben könnte, kann man in einer Übersicht der Weltbank nachlesen (www.worldbank.org/en/topic/climatechangeandhealth). Temperaturanstieg, veränderte Niederschlagsmenge und der Anstieg des Meeresspiegels führen unter anderem zur Verbreitung von Krankheiten wie Malaria und zu versalztem Grundwasser in Küstennähe. Teilweise sind diese Effekte bereits jetzt spürbar. Betroffen sind insbesondere arme Länder mit schwachen Gesundheitssystemen.

Aber auch in Deutschland macht sich der Klimawandel bemerkbar. In den letzten Jahren haben Wetterkapriolen wie Starkregen und langanhaltende Trockenzeiten zugenommen. Da stellt sich die Frage: Wird unser nationales Gesundheitsrisiko ausreichend analysiert?

Immer wieder weisen Medienberichte und Experten darauf hin, dass die Schadstoffbelastung unserer Gewässer und Flüsse in -bestimmten Regionen ein gesundheitsschädliches Ausmaß angenommen hat. So ließen der NDR für ein im Februar dieses Jahres ausgestrahltes Panorama-Magazin Proben aus zwölf Flüssen, Bächen und Badeseen in Niedersachsen untersuchen. Überall fand sich eine hohe Konzentration resistenter Keime. Grund dafür sind Gülle und Gärreste aus Biogasanlagen, mit denen antibiotische Rückstände auf die Felder und ins Wasser gelangen, aber auch Krankenhäuser und Pflegeheime. Das Problem: Deutsche Kläranlagen sind noch nicht dafür ausgerüstet, multiresistente Bakterien komplett aus dem Wasser herauszufiltern.

Nitrate im Grundwasser

Zudem führt die stickstoffhaltige Düngung der Landwirtschaft zu einer hohen Nitratbelastung des Grundwassers. In einigen Regionen Deutschlands sind die Grenzwerte von 50 mg pro Liter deutlich überschritten. Dabei sind bereits geringere Werte laut Studie mit einem erhöhten Darmkrebsrisiko assoziiert, schreibt die Ärzte Zeitung im März 2018.

Der Klimawandel könnte diese Effekte noch drastisch verstärken. Denn mit steigenden Lufttemperaturen steigt auch die Temperatur der Oberflächengewässer und bietet damit günstige Voraussetzungen dafür, dass sich Krankheitserreger und resistente Keime, die sich bei hohen Temperaturen wohl fühlen, rasant vermehren. Und dass die Flüsse und Bäche wärmer werden, ist Fakt: In Bayern ist laut Messungen des bayerischen Umweltbundesamtes die mittlere Jahres-temperatur der Fließgewässer seit 1980 signifikant angestiegen.

Resistente Keime und Chemie- oder Antibiotikarückstände in Trinkwasser und Badeseen bedrohen unsere Gesundheit in Deutschland. Die Heilkraft von gesundem, nicht verunreinigten Wassers ist jedoch die Grundlage der Prießnitz- und Kneipptherapie und vieler Heilquellen. Der Deutsche Naturheilbund fordert daher nicht nur eine effektive Klimapolitik, sondern auch umfassende Maßnahmen zum Schutz der Umwelt und unserer Gewässer.

Aktuell untersuchen Wissenschaftler in dem vom Bund geförderten Projekt HyReKA die Verbreitung resistenter Keime im Abwasser und entwickeln verbesserte Aufbereitungstechnologien. Solche Innovationen weltweit verfügbar zu machen, wäre essentiell für die globale Gesundheit. Mindestens ebenso wichtig wäre es, die Antibiotika-Einträge zu reduzieren.

Wir haben ein Recht auf gesundes, nicht verunreinigtes Wasser. Es ist die Grundlage unseres Lebens.

 

Dr. med. Wolfgang May ist Internist, Arzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin,
Homöopathie und Naturheilverfahren und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des DNB. www.dr-wolfgang-may.de