Beim Lachyoga löst man mit Atemübungen und gespieltem Lachen echte Lachanfälle aus. Das hat nicht nur positive Effekte auf unseren Körper, sondern auch auf die Psyche, erklärt Lachyoga-Trainerin Susanne Klaus

DNB Impulse: Frau Klaus, vielen Menschen ist jetzt in der Corona-Krise nicht nach Lachen zumute. -Warum sollten sie es trotzdem tun?

Susanne Klaus: Lachen stärkt nachweislich unser Immunsystem, hebt unsere Stimmung und baut die negativen Folgen von Stress und Ängste ab. Das ist gerade jetzt wichtig, in einer Zeit, die von Ängsten und Unsicherheit geprägt ist. Denn die rauben unserem Körper auf Dauer enorm viel Kraft und Energie. Wenn wir unter Stress stehen, haben wir einen
Tunnelblick und können nicht klar denken.

Beim Lachen lockern sich nicht nur die Gesichtsmuskeln, sondern auch die Gedankenmuster. Man sieht Dinge aus einer anderen Perspektive und kann Herausforderungen im Alltag besser meistern. Regelmäßiges Lachen hilft also gegen das Stimmungstief in der Corona-Krise enorm. Ich merke das jeden Tag in meinen Morgensessions, wie sich die Menschen wieder der Welt öffnen und tatkräftiger werden. 

Kinder lachen etwa 400 Mal am Tag, Erwachsene nur noch 15 Mal. Haben wir das Lachen verlernt?

Als Kind lachen wir noch ohne Grund. Da wechseln die Gefühle schnell zwischen Traurigkeit, Ärger in Lachen und Freude. Aber je größer und älter wir werden, desto stärker lernen wir, unsere Emotionen unter Kontrolle zu halten, etwa in der Schule. Und als Erwachsener lachen wir dann meist nur noch, wenn wir einen triftigen Grund zum Lachen haben.

Und grundloses Lachen übt man beim Lachyoga? 

Genau, Lachyoga kombiniert grundloses Lachen mit lockernden Atem- und Bewegungsübungen. Wir treffen uns in Gruppen und machen gemeinsame pantomimische Übungen, die mit Augenkontakt und Lachen einhergehen. Das Ganze wird verbunden mit rhythmischen Klatsch-Übungen und Atemübungen aus dem Yoga.

Was genau passiert beim Lachen im Körper?

Die Atmung vertieft sich, das Zwerchfell beginnt zu schwingen und unser Körper wird mit einer extra Portion Sauerstoff versorgt. Zudem stärkt Lachen nachgewiesen das körpereigene Immunsystem und baut Stresshormone ab. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass beim Lachen das Schmerzempfinden gedämpft wird, denn der Körper schüttet beim Lachen schmerzstillende Hormone aus. Der Blutdruck wird gesenkt, die Selbstheilungskräfte im Körper werden aktiviert. Außerdem wird beim Lachen im Handumdrehen unsere Stimmung verändert und erhellt.

Das sind ähnliche Effekte wie beim Sport. Lachen ist körperliche Schwerstarbeit. Insgesamt über einhundert Muskeln sind daran beteiligt – von der Gesichtsmuskulatur bis zur Atemmuskulatur. Beim Lachyoga wird das ganze Herzkreislaufsystem in nur 10 bis 15 Minuten so intensiv trainiert, als würden wir eine halbe Stunde joggen gehen.

Und es ist egal, wie das Lachen entsteht? Also ob man künstlich oder spontan lacht?

Ja genau. Unser Gehirn kann nicht unterscheiden, ob wir echt oder gespielt lachen. Die physiologischen und psychologischen Wirkungen sind die gleichen. Beim Lachen werden Endorphine allein bereits dadurch ausgeschüttet, dass die Mundwinkel zu einem Lachen geformt werden und die Gesichtsmuskulatur aktiviert wird.  Einen ähnlichen Effekt hat übrigens auch Singen auf unseren Körper.

Fällt es den Menschen eigentlich schwer, beim Lachyoga einfach ohne Grund draufloszulachen? Ich kann mir vorstellen, dass man sich da als Anfänger erstmal komisch fühlt.

Anfangs sind die Übungen vielleicht für unseren Verstand ein wenig irritierend, da das Lachen zu Beginn gespielt und künstlich wirkt. Man muss erstmal über den Punkt im Kopf hinaus kommen, dass man nur dann lachen darf, wenn etwas lustig ist. Doch das geht sehr schnell. Und wenn man einmal angefangen hat, loszulachen, und das auch ohne Grund, wird es einfach – denn dann schüttet das Gehirn ja bereits Endorphine aus, die die Zweifel vertreiben.

Können bei Lachyoga alle mitmachen?

Weil jeder Mensch lachen kann, ist es auch nahezu für alle Menschen geeignet. Schön ist, dass man für diese Art des Yoga weder beweglich noch sportlich sein muss. Alle Übungen können auch im Sitzen durchgeführt werden. Somit profitieren auch Menschen davon, die sich nicht so gerne bewegen oder mitunter nur noch eingeschränkt bewegen können. (us)

Susanne Klaus ist Business Lachyoga Trainerin und Gründerin der Stuttgarter Lachschule. Sie gibt Kurse, Workshops und Seminare zum Thema und bildet aus.
www.stuttgarter-lachschule.de,
www.lachclub.info,
www.lachen-online.de

Übung vor dem Spiegel

Stellen Sie sich vor dem Spiegel. Atmen Sie ein und nehmen Sie dabei langsam die Arme nach oben. Die Arme oben ausgestreckt halten und ausatmen. Der Mund formt sich zu einem Lächeln. Dann die Arme langsam nach unten nehmen. Lächeln Sie sich etwa 30 Sekunden lang zu.

Wer hat‘s erfunden? Vom Selbstversuch zum Lachyoga

Ihren Ursprung hat die Lachwissenschaft in der Selbsttherapie von Normans Cousins, einem Wissenschafts-journalisten, der vor gut 40 Jahren dazu ein Buch veröffentlichte. Cousins litt Anfang der Siebzigerjahre an der extrem schmerzhaften Wirbelsäulenerkrankung Spondyloarthritis. Weil er Berichte gelesen hatte, in denen beschrieben wurde, wie stark sich negative Emotionen auf die Gesundheit auswirken, probierte er den Umkehrschluss: Er verordnete sich lustige Filme und Geschichten, über die er lachen konnte. Dabei stellte er fest, dass zehn Minuten Lachen ihm zwei schmerzfreie Stunden Schlaf bescherten. Dieses Phänomen begannen Wissenschaftler zu untersuchen und fanden heraus, dass der Körper beim Lachen schmerzlindernde Stoffe ausschüttet.

Es war dann ein Allgemeinarzt aus -Indien – Dr. Madan Kataria – der Lachyoga begründete und weltweit bekannt machte.
Kataria war von den positiven gesundheitlichen Auswirkungen des Lachens überzeugt und wollte seine Mitmenschen dazu bewegen, mehr zu lachen. Im Jahr 1995 gründete er den ersten Lachclub in Mumbai, in dem anfangs noch Witze erzählt wurde. Doch das funktionierte bald nicht mehr; Kataria musste sich etwas Neues überlegen. Zusammen mit seiner Frau, einer Yoga-Lehrerin, entwickelte er einfache pantomimische Lach-Übungen, die er mit Atemübungen aus dem Yoga verband. Heute wird diese Art des Yoga in über 100 Ländern auf der Erde praktiziert.