Ein naturheilkundlicher Lebensstil trägt auch zu einer erfüllten Sexualität bei.

Der Ganzheitsmediziner Gert Dorschner hat dazu einen Ratgeber verfasst. Nachfolgend einige Auszüge/Zusammengefasst von Sabine Neff / Foto: Freepik.com

Mediziner, Psychologen und Psychotherapeuten sind sich einig, dass eine erfüllte Sexualität gesund für Körper und Psyche ist. Allerdings deuten Statistiken und Umfragen darauf hin, dass die Deutschen weniger Sex haben als noch vor einigen Jahren. Zudem nimmt die Unfruchtbarkeit zu. Lange Zeit wurde das Problem bei der Frau gesehen, wenn Paare keine Kinder bekommen, schreibt Gert Dorschner. Tatsächlich kann es jedoch genauso gut am Mann liegen: Die männliche Unfruchtbarkeit bei unerfülltem Kinderwunsch liegt bei 50 Prozent. Alle zehn Jahre müssen die Normwerte für die Anzahl, die Beweglichkeit und die Qualität von Spermien nach unten korrigiert werden. Ein Grund dafür ist wohl auch die zunehmende Verschmutzung unserer Flüsse, Meere und Ozeane durch östrogenartige Substanzen aus der Reinigungsmittelindustrie. Diese reichern sich in den Tieren, die am Ende der Nahrungsmittelkette stehen, hochpotenziert an. Männliche Eisbären in der Arktis und Süßwasserkrokodile in Florida werden zunehmend unfruchtbar. Das gleiche gelte nach Dorschner auch für den Menschen.

Aber nicht nur die Fruchtbarkeit befände sich im freien Fall, sondern auch die Potenz und die Lustempfindungsfähigkeit nehme allgemein ab. „Das erste, was die Natur bei mangelnder Gesundheit und zunehmender Gefäßverkalkung abschaltet, ist die Fortpflanzungsfähigkeit – lange vor einem Herzinfarkt oder Schlaganfall!“, so Dorschner, der deshalb mahnt: „Gesundheit ist nicht alles – aber ohne Gesundheit und Hygiene geht nichts mehr“.

Das Trio der Lustkiller

Das Trio der Lustkiller sind nach Dorschner Hypertonie, Übergewicht oder Diabetes – allein 35 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen mit Hochdruck leiden unter sexueller Dysfunktion. Außerdem würden Frauen viel mehr auf Hygiene achten, als viele Männer nachvollziehen und im wahrsten Sinne des Wortes „riechen“ können. Alle Lust kehre sich bei „ihr“ in Ekel, wenn sie mit unangenehmen Gerüchen, etwa Nikotin und Alkohol sowie mangelnder Hygiene konfrontiert wird. Ein wahrhaft erotischer Mann müsse nicht schön sein, sondern männlich, und dazu gehöre ein gepflegtes Äußeres, wobei Frauen besonders auf Augen, Mund, Zähne, Hände, Po, Geruch und Stimme achten.

Insbesondere Alkohol, aber auch eine Vielzahl an Medikamenten wirke libido- und potenzmindernd und sollte gemieden werden. Dazu zählen zum Beispiel Statine (Cholesterinsenker), denn diese senken die Konzentration der Geschlechtshormone; auch Antidepressiva, Magenschutzmittel, aber auch Antibiotika und Schmerzmittel und Entzündungshemmer wie Ibuprofen, Diclofenac, Aspirin und Paracetamol gehören dazu.

Was können Paare aktiv für ein erfülltes Sexualleben tun?

Hier nennt Dorschner sieben Faktoren:

  1. Achten Sie auf eine gesunde Psyche und eine entspannte Einstellung zur Sexualität. Erfahrung im Liebesspiel lässt sich zum Beispiel in Tantra-Kursen oder erotischen Coachings aneignen.
  2. Entspannungstraining, wie zum Beispiel Yoga, Autogenes Training, aber auch ausreichender Schlaf oder Hydrotherapie trainieren das vegetative Nervensystem und damit die für die Erektion nötige Entspannungsfähigkeit. Achtung: Ein zu hoher Cortisolspiegel, meistens durch chronischen Stress, senkt den Testosteronspiegel und führt nicht zuletzt deshalb zu Impotenz und Libidomangel.
  3. Gesunde Ernährung: Dorschner empfiehlt eine pflanzeneiweißbetonte, basenüberschüssige, vitalstoffreiche, ovo-lacto-vegetabile Vollwerternährung. Denn der Mensch sei ein Stoffwechselsystem und demnach physiologisch so gesund wie er sich ernährt. Sexualität sei eine physiologische Körperfunktion, die einen gesunden Körper voraussetzt.Dorschner empfiehlt speziell Vitamin E (bekannt als Fruchtbarkeitsvitamin), das in Weizenkeimöl, Vollkorngetreide, Eigelb und dunkelgrünem Gemüse enthalten ist; Omega III-Fettsäuren (enthalten in Leinöl und fettreichem Fisch), sowie Zwiebel, Meerrettich, Bärlauch oder Knoblauch als stärkste Waffe gegen Arterienverkalkung, zur Blutverdünnung und Durchblutungsförderung im Unterleib. Vorsicht geboten sei bei Soja-Produkten (östrogenlastig) und sämtlichen Entzündungsfaktoren wie zum Beispiel Fleisch, Wurst, Kuhmilchprodukten, Rotwein, Schokolade, Zucker sowie die Genussgifte Nikotin und Alkohol. Zucker gilt als eine der Hauptursache für Gefäßschäden, was wiederum zur Arterienverkalkung und Erektionsstörungen führen kann.
  4. Spätestens im Alter sollte man anfangen, nicht aufhören, Sport zu machen! Regelmäßig Sport treiben: Bewegung ist Leben und guter Sex ist trainierbar. Dorschner empfiehlt mindestens 3 x pro Woche ein 30 – 45 Minuten langes Intervalltraining für Ausdauer, Kraft, Schnellkraft, Koordination und Gleichgewicht. Sein Spezial-Tipp: Trampolinspringen als besonders intensives „Ur-Training gegen die Schwerkraft“. Es trainiert am intensivsten den Beckenboden mit.
  5. Beckenbodentraining: Training des sogenannten „PC-Muskels“, der die Geschlechtsorgane im Becken umgibt (30 x für 5-8 Sekunden anspannen und das 3 x pro Tag). Dies sei das ultimative Nonplusultra der Potenz- und Luststeigerung und für beide Geschlechter eine Art „natürliches Viagra“: Die Frau kann so körperlichen Beschwerden wie Senkungen, Inkontinenz und Harnwegsinfekten vorbeugen und trainiert und verstärkt gleichzeitig ihre Lustempfindungs- & Orgasmusfähigkeit. Bei Männern kann eine schwache Beckenbodenmuskulatur zu vorzeitiger Ejakulation oder Orgasmus-Schwierigkeiten führen.
  6. Bioidentische Hormontherapie zum Ausgleich von Östrogen-Gestagen-Dysbalancen, Testosteron-Mangelzuständen und anderen Hormonstörungen. Diese gehören jedoch in die Hände darauf spezialisierter Naturheiltherapeuten.
  7. Das beste Mittel: Sex. Nach alter Urologen-Weisheit ist und bleibt das potenteste Mittel für den Erhalt von Potenz, Libido und Fruchtbarkeit bei Mann und Frau der Sex an sich! Beim Orgasmus werde das Belohnungszentrum aktiviert, sogenannte Glückshormone wie Dopamin gebildet, Serotonin und Endorphine ausgeschüttet und das Stresshormon Cortisol gesenkt.

Ein wenig philosophisch fasst der Ganzheitsmediziner alle Faktoren abschließend so zusammen: Es ist unsere Aufgabe, unseren Körper gut zu behandeln, ihn zu pflegen, zu ernähren, ihn schön schlank, sportlich und leistungsfähig und vor allem lust- und liebensempfindungsfähig zu erhalten. Denn nur wer seinen Körper als schön und lustvoll empfinden, wahrnehmen und lieben kann, kann auch andere schön und lustvoll empfinden.

Gert Dorschner: Sexualität aus ganzheitlicher Sicht – Über die Heilkraft ganzheitlicher Liebe & Erotik, Skript zum Vortrag, 20 Euro. Zu beziehen über die Akademie für Ganzheitsmedizin www.a-f-g.de.
Gert Dorschner ist Ärztlicher Leiter der AfG,  Facharzt für Allgemeinmedizin, Notfallmedizin, Naturheilverfahren, Akupunktur, Klassische Homöopathie und Ernährungsmedizin sowie Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Deutschen Naturheilbundes.
Sabine Neff ist Bundesgeschäftsführerin des Deutschen Naturheilbundes.