Zwischen Diabetes und Demenz gibt es einen Zusammenhang. Umso wichtiger ist es, auf gesunde Ernährung zu achten

Von Manfred van Treek, Foto: creativ collection

Fast 1,63 Millionen Menschen, das sind rund 10 Prozent der über 65jährigen Menschen in Deutschland, leiden an Demenz, so berichtet die Deutschen Alzheimer Gesellschaft auf ihrer Webseite. Bei Erreichen des 85. Lebensjahres liege die Erkrankungsrate sogar bei 25 Prozent.

Aus medizinischer Sicht unterscheidet man zwischen vaskulärer Demenz  und Alzheimer-Demenz. Erstere wird durch arteriosklerotisch bedingter Durchblutungsstörung des Gehirns verursacht. Dagegen ist die „Alzheimer-Demenz“ eine degenerative Erkrankung des Gehirns, vermutlich infolge von sich zu Plaques zusammenschließenden sogenannten Beta-Amyloid-Eiweißen. Damit diese Eiweiße ihre komplexen Aufgaben im Stoffwechsel wahrnehmen können, müssen sie nämlich im Blutstrom zu den Geweben hin transportiert oder von dort abtransportiert werden, also im Blut gelöst werden. Bei den Beta-Amyloid-Eiweißen, die bei Alzheimer als Ablagerungen im Gehirn auftreten, ist diese Löslichkeit verloren gegangen.

Es gibt viele Faktoren, die eine frühzeitig beginnende Demenz begünstigen, etwa körperliche Inaktivität, Rauchen, geringe geistige Aktivität oder das Schlafapnoesyndrom, um nur einige zu nennen. Auch Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen sowie Diabetes mellitus steigern das Risiko, an Demenz zu erkranken. Immerhin 13 Prozent aller Demenzfälle werden ausschließlich durch Diabetes mellitus Typ 2 verursacht.

Toxischer Blutzucker

Typ-2-Diabetes entwickelt sich über Jahre. Dabei reagieren Körperzellen zunehmend unempfindlich auf das blutzuckersenkende Hormon Insulin, was dazu führt, dass die Bauchspeicheldrüse die Insulinproduktion steigert. Die Folge: Der Zucker staut sich in den Blutgefäßen an. Das verursacht erstmal keine sichtbaren Beschwerden, schädigt langfristig aber zahlreiche Organe. Erhöhte Insulin- und Blutzuckerwerte sind toxisch für das Gehirn, weil sie zu dessen – oft unbemerkter – Entzündung (Inflammation) führen und die Entstehung freier Radikale begünstigen.

In einer gemeinsamen Studie von Wissenschaftlern der Medizinischen Universität Graz und der Universität Oxford wurde die Größe des Erinnerungszentrums im menschlichen Gehirn, dem Hippocampus, mit dem Nüchtern-Blutzuckerspiegel in Beziehung gesetzt. Der Hippocampus beherbergt nicht nur das Erinnerungszentrum, er ist auch für Emotionen und das autonome Nervensystem zuständig. Nach sechs Jahren wurde die Größe des Hippocampus erneut gemessen und in Relation gesetzt zum Nüchtern-Blutzucker. Je höher die Blutzuckerwerte waren, desto stärker war das Gehirn inzwischen geschrumpft.

Du bist, was du isst

Die gute Nachricht: Jeder Mensch kann seinen Blutzucker durch eine Ernährung, die möglichst wenig Zucker und einfache Kohlenhydrate enthält, niedrig halten. Das bedeutet, dass wir nicht nur den Anteil von Süßigkeiten in unserer Ernährung reduzieren müssen, sondern auch den von Weißbrot, Pasta, Kartoffeln und Reis. Denn aus der in diesen Lebensmitteln enthaltenen Stärke wird bei der Verdauung im Darm zu 100 Prozent Glukose gebildet, die dann als Blutzucker im Blutkreislauf zirkuliert.

Vorsicht ist auch bei Fruchtsäften geboten, die meist einen hohen Fruchtzuckergehalt haben. Zum Beispiel Orangensaft, bei vielen als Frühstücksgetränk beliebt: 350 ml enthalten 35 Gramm Kohlenhydrate, was wiederum fünf bis sechs Teelöffeln Zucker entspricht. Dann kann man auch gleich morgens Cola trinken!

Was soll man nun stattdessen essen? Reichlich Gemüse, Brokkoli, Rote Bete, Zucchini, Kohlrabi, Blumenkohl, Nüsse und Samen. Spinat mit Knoblauch und Kürbis schmecken gut, sind vollgepackt mit Nährstoffen und helfen, den Blutzucker niedrig zu halten. Die beste Ernährung für Menschen mit hohem Insulinspiegel ist kohlenhydratarm, frei von Zucker und Weizenweißmehl, frei von Gluten, dafür reich an guten Fetten und Ölen, etwa Oliven- oder Leinöl. Auch fettreicher Fisch mit seinen wertvollen Omega-3-Fettsäuren (etwa Lachs, Makrele, Hering, Sardine) trägt dazu bei, den Insulinspiegel zu senken.

Manfred van Treek ist Arzt für Allgemeinmedizin, Naturheilverfahren und Umweltmedizin sowie Mitglied des Präsidiums und wissenschaftlichen Beirates des Deutschen Naturheilbundes eV.  www.praxisvantreek.de