Von Prof. Dr. Karin Kraft

Die Motivation für diesen Artikel waren zwei Fragen, die sich aufgrund der Entwicklung der letzten Jahre ergeben haben, nämlich 1. Was sind die Hintergründe für den großen Erfolg der Naturheilvereine Anfang des letzten Jahrhunderts? Und 2. Warum nimmt das Interesse der Bevölkerung an Naturheilvereinen in den letzten Jahren plötzlich so stark ab?

Die Konkurrenz der Naturheilvereine zu Anfang des 10. Jahrhunderts

Hintergrund des großen Wachstums der Naturheilvereine in dieser Zeit war somit die starke Zunahme der allgemeinen zivilisationskritischen Lebensreformbewegung. Natürlich kam es innerhalb der Naturheilvereine und des Naturheilbundes deshalb immer wieder zu Abspaltungen und Differenzen. So suchten Menschen verschiedener politischer Richtungen, insbesondere die im Deutschen Reich wenig geschätzten Sozialisten hier ein neues Betätigungsfeld. Andere Mitglieder forderten eine Öffnung und Erweiterung des Naturheilgedankens gegenüber den verschiedenen Strömungen der Lebensreformbewegung. Die Konkurrenz wuchs ebenfalls, z. B. durch die Kneippvereine, die eine ähnliche Zielrichtung hatten, aber durch andere Vereine, die sich bestimmter Anteile der Lebensreformbewegung gezielt annahmen. Zudem nahm die Anzahlen der Zeitschriften mit verwandten Themen sowie der Gesundheitsschriften und -bücher, anhand derer man sich auch unabhängig von einer Mitgliedschaft im Verein informieren konnte, stetig zu. Wie es weitergegangen wäre, wenn nicht der erste Weltkrieg ab 1914 zum Verlust von zahlreichen Mitgliedern und infolge der zunehmenden massiven Verschlechterung der allgemeinen Lebensumstände problematisch werdenden Vereinstätigkeit zur Auflösung etlicher Vereine geführt hätte, ist schwer zu sagen. Auch viele Naturheilanstalten mussten in dieser Zeit geschlossen werden.

Kurzer Abriss der Entwicklung der Naturheilvereine bis zur Jahrtausendwende

Die Entwicklung nach Ende des ersten Weltkrieges bis heute soll nur sehr kurz dargestellt werden. Ab Mitte der 1920er Jahre blühte die Naturheilbewegung in der Weimarer Republik wieder auf. Das ist wohl großenteils auf die sehr schlechten Lebensbedingungen und den dadurch bedingten miserablen Gesundheitszustand eines großen Teils der Bevölkerung zurückzuführen. Zugleich bot die immer offenkundiger werdende Krise der universitären Medizin nur wenige wirksame Lösungen an. Daher gab es auch sehr viele unseriöse Heilsversprechen durch nicht approbierte Heilkundige und esoterische Gesellschaften. Im Nationalsozialismus (ab 1933) wurden die Naturheilverfahren bekanntlich schleichend instrumentalisiert, um die Volksgesundheit in Vorbereitung auf den geplanten Krieg zu steigern. Die scheinbare Wertschätzung der Naturheilverfahren durch Regierungsorgane wirkte sich schon anfänglich kaum förderlich auf die Vereinstätigkeit aus. Spätestens ab 1939 wurden die Vereine dann zunehmend gleichgeschaltet, d. h. die Naturheilbewegung wurde ideologisch auf den Nationalsozialismus ausgerichtet. In Kombination mit den zunehmenden Auswirkungen des zweiten Weltkriegs nahmen die Vereinsaktivitäten in der Folge immer weiter ab.

Nach dem zweiten Weltkrieg und der Teilung Deutschlands waren Vereine in der Deutschen Demokratischen Republik ganz allgemein unerwünscht und wurden durch parteigesteuerte Organisationen ersetzt. Nur wenige Naturheilverfahren wurden als Teil der Staatsmedizin geduldet. In der Bundesrepublik Deutschland wurde die Expansion der Wirtschaft, z.B. der Pharmaindustrie, massiv vorangetrieben, um durch den dadurch bedingten wachsenden Wohlstand ein Bollwerk gegen den Kommunismus zu errichten. Der Deutsche Naturheilbund wies in seinen Schriften zwar schon seit den frühen 1960er Jahren sehr kompetent z. B. auf die fatalen Folgen für die Umwelt und die menschliche Gesundheit durch den breiten Einsatz von Insektiziden und Düngemitteln seit Mitte der 1940er Jahre hin und setzte sich zudem für eine gesündere Ernährung ein, die bestehenden Vereine hatten aber nur geringe Mitgliederzahlen.

Erst ab den frühen 1970er Jahren nahm die breite Öffentlichkeit allmählich wahr, dass die Häufigkeit von Herzkreislauferkrankungen und Krebs trotz des inzwischen eingetretenen durchaus beachtlichen medizinischen Fortschritts massiv anstieg. Zugleich hatte sich die ärztliche Versorgung im ambulanten Bereich in den zurückliegenden Jahren immer weiter verschlechtert, die ländlichen Regionen waren in vielen Teilen der BRD stark unterversorgt. In dieser Situation nahm das Interesse der Bevölkerung an der Naturheilkunde, insbesondere an einer gesunden Ernährung, wieder zu. Die Verbesserung der in den vorangehenden Wohlstandsjahren stark veränderten Ernährungsgewohnheiten geriet so in den Fokus, und zwar Jahrzehnte, bevor die universitäre Medizin sich dieser Thematik zuwandte. Zunehmend befassten sich die Naturheilvereine auch mit außereuropäischen Verfahren der traditionellen, insbesondere der chinesischen und indischen Medizin, aber auch mit esoterischen Methoden. Die Zahl der Vereine und die Mitgliederzahlen erreichten um das Jahr 2000 einen neuen Höhepunkt.

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Die Menschen sehnen sich nach einer Alternative

Am 26.3.2025 fand im Mehrgenerationenhaus im Seniorenheim St. Franziskus der monatliche Vortrag des Naturheilvereins Mühlacker statt. Thema war die Pflanze Artemisia annua – der einjährige Beifuß und seine heilsame Wirkung. Offensichtlich hat sich der Wert dieser Heilpflanze schon herumgesprochen, denn der Saal im UG war so voll wie noch nie, es kamen über 70 Besucher!

Die Referentin Dr. Katharina Madrid aus Freiburg berichtete von ihren Erfahrungen in Afrika, die sie mit der Züchtung A-3 (Artemisia – annua – anamed) des Netzwerks anamed (Aktion natürliche Medizin in den Tropen) macht. Diese Züchtung ohne Gentechnik enthält den 20-fachen Wirkstoffgehalt der Wildpflanze, zudem wird sie wesentlich höher und blüht später, so dass sie viel mehr Blätter ausbilden kann und sie wächst in den Tropen. Dort wird sie v.a. gegen Malaria eingesetzt und ist hoch wirksam.

Sie ist für die Bevölkerung günstig anzubauen und bildet keine Resistenzen wie Medikamente, die lediglich den Auszug eines einzelnen Wirkstoffes verwenden. Zudem wird sehr auf Qualität in Ernte und Verarbeitung geachtet.

Dr. Katharina Madrid und Dr. Hans-Martin Hirt von anamed ist es ein Anliegen, den Menschen wirklich zu helfen und einfache, umsetzbare Lösungen zu finden. Leider wird das nicht in allen afrikanischen Ländern gerne gesehen – in manchen Ländern ist es verboten, Artemisia annua anzubauen und in Verkehr zu bringen. So leider auch hier in Deutschland geschehen – während der Corona-Zeit wurde der Verkauf der Pflanze auch hier untersagt, obwohl (oder weil?) sie nachweislich gegen das Virus geholfen hätte! Die Wirkstoffe verhindern den so gefürchteten Zytokinsturm und fördern das Immunsystem, indem sie die Zahl der natürlichen Killerzellen um 250% erhöhen.

Artemisia annua ist auch bei folgenden Beschwerden wirksam: Candidapilz, Vireninfekte, Rheuma, Borreliose, Bronchitis, Fieber, Darmbeschwerden, Darmwürmer, Hämorrhoiden, Lupus, manchmal auch bei Neurodermitis, Psoriasis und Fibromyalgie. Sogar gegen Krebs kann die Pflanze eingesetzt werden. Das hängt mit ihrer Affinität zu Eisen zusammen – Krebszellen speichern viel Eisen und das Molekül Artemisinin wird davon angezogen und bewirkt dann den Zelltod (Apoptose) der Krebszellen. Außerdem wird die tumorale Angiogenese gehemmt, d.h. die Blutversorgung der Tumorzellen wird verringert. Im Artemisiatee sind 20 verschiedene antitumorale Wirkstoffe enthalten!

Dr. Katharina Madrid erklärte genau, wie man die Pflanze anbaut, erntet und verarbeitet zu Tee, Pulver und Salbe, nannte die empfohlenen Dosierungen und jeder Teilnehmer bekam ein kleines Pflänzchen mit nach Hause. Bei guten Bedingungen kann sie in unseren Gärten gut zwei Meter hoch werden.

Ute Bauer, NHV Mühlacker

Ein spannendes Programm aus Vorträgen, Dialog und einige Überraschungen erwartete die TeilnehmerInnen der diesjährigen DNB-Jahrestagung in Bad Hersfeld: Die Jahrestagung fand Ende März in der Altstadt von Bad Hersfeld im Romantik-Hotel „Der Stern“ statt, welches mit seinem historischen Ambiente und hervorragender Küche begeisterte. Am Ende der Tagung fuhren die TN gestärkt an „Leib und Seele“ und bereichert durch ein harmonisches Miteinander wieder nach Hause.

Stabwechsel im Vorstand und Geschäftsführung
Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden des gastgebenden Ortsvereins Bad Hersfeld, Raimund Wörner und den Präsidenten des DNB, Dr. Martin von Rosen ging es u.a. in der Bundesversammlung um personelle Veränderungen: Schatzmeister Tim Bialas hatte kurz zuvor sein Amt aus persönlichen Gründen niedergelegt und der Vorstand bat nun um Bestätigung des als Ersatz berufenen Christoph Reckers, der sich kurz vorstellte: Als ehemaliger Personaler firm im Umgang mit Zahlen und nun begeistert für die Naturheilkunde als DNB-Berater, fand Christoph Reckers uneingeschränkte Zustimmung. Eine Überraschung für alle Anwesenden war auch die Mitteilung der Bundesgeschäftsführerin Sabine Neff ihren Posten abzugeben und wieder in die „2. Reihe“ zu gehen, um sich dort verstärkt dem Vereinswesen inklusive Mitgliederverwaltung zu widmen. Als Geschäftsführer konnte Dr. Frank Hinrichs, promovierter Wirtschaftswissenschaftler mit langjähriger Erfahrung in Leitungsfunktionen und Projektarbeit in gemeinnützigen Organisationen, gewonnen werden, der sich den TeilnehmerInnen der Tagung vorstellte.

Verein und Verband im Dialog
Viele praktische Ideen zur Stärkung der Vereinsarbeit vor Ort wurden auf der Jahrestagung im vergangenen Jahr gesammelt – was konnte umgesetzt werden? Hier setzte die Vereinsbeauftragte des Präsidiums und gleichzeitig Vorsitzende des NHV Esslingen, Elke Wörfel an. Wichtig ist die Sichtbarkeit des Vereins – ob „von Mensch zu Mensch“, z.B. bei einer Aktion in der Fußgängerzone, dem aktiven Ansprechen von regionalen Therapeuten oder in den sog. „sozialen Medien“. An dieser Stelle stellte Tim Bialas, aktives NHV-Wannweil-Vorstandsmitglied und selbstständiger Webdesigner, ein spannendes Kurz-Konzept für die Social-Media-Arbeit im Verein vor, welches im Nachgang der Veranstaltung direkt an alle Vereine weitergegeben wurde. Welche Themen sind den Delegierten wichtig? Wo wird Unterstützung vom Verband gewünscht? Diese Fragen interessierten insbesondere den neuen Geschäftsführer Dr. Hinrichs, dessen Wunsch es ist, mit jedem Verein in persönlichen Kontakt zu kommen.

Vorträge rund um die Naturheilkunde – ganzheitliche Heilung mit Tradition
In seiner bekannt mitreißenden Art referierte Gert Dorschner, ärztlicher Leiter der DNB-Naturheilkundeberater-Ausbildung am Samstag zum Jahresmotto: „Naturheilkunde – bewährt und zeitgemäß“. Dabei erfuhren die ZuhörerInnen u.a. seine 15 Tipps zu schweren Krankheiten und lernten, dass nie nur ein einzelner Aspekt zur Heilung führe, sondern immer die Summe der Lebensführung. Sein Leben für die Naturheilkunde schilderte am Sonntagvormittag Dr. Jürgen von Rosen, Vater des DNB-Präsidenten Dr. Martin von Rosen. Voller Elan und Begeisterung berichtete der Landarzt und Inhaber der Schlossparkklinik Gersfeld von beeindruckenden Heilungsergebnissen mit einfachen, aber bewährten Naturheilmethoden, die im Laufe der Jahre leider immer weniger von der sog. „Schulmedizin“ berücksichtigt würden. Wichtig ist ihm, neben dem körperlichen Aspekt, auch die Psyche und Einstellung des Patienten: Positiv denken, Dankbarkeit und eine erfüllende Tätigkeit bis ins hohe Alter seien gute Voraussetzungen, lange fit und gesund zu bleiben – wofür der Referent das beste Beispiel ist. Mit „standing ovations“ bedankten sich die ZuhörerInnen für einen faszinierenden Vortrag.
Sabine Neff, Leitung der Bundesgeschäftsstelle

Ende Januar haben zwölf Teilnehmer/Innen ihre Ausbildung zum Naturheilkunde-Berater DNB mit einer ärztlich zertizierten Prüfung erfolgreich abgeschlossen. Während des umfassenden Lehrgangs erwarben sie fundiertes Basiswissen in zentralen Bereichen der Naturheilkunde, darunter Ernährung, Pflanzenheilkunde, Bewegung, Lebensordnung, Hydrotherapie und Umweltmedizin. Die Teilnehmer zeigten sich begeistert von dem praxisnahen und vielseitigen Wissen, das sie nicht nur beruflich, sondern auch für ihre persönliche Gesundheit nutzen können. Seit über zehn Jahren bietet der Deutsche Naturheilbund diese besondere Ausbildung zweimal jährlich im Schloss Bauschlott an. Interessierte erhalten weitere Informationen unter Tel. 07237/4848799, per E-Mail an info@naturheilbund.de oder auf unserer Webseite. www.naturheilbund.de
Tina Walther, DNB Bundesgeschäftsstelle

Im Bild: Elke Sendler, links, mit Gerti Ostertag

Im März referierte Frau Sendler zum einen über Schamanismus, zum anderen über ihre Nahtoderfahrung während einer 15-stündigen Operation. Im ersten Teil ihres gut besuchten Vortrags gab sie einen kurzen Abriss der Geschichte und Wesenheit des Schamanismus. So gibt es Höhlenzeichnungen, die schon vor 50 000 Jahren die Existenz des Schamanismus zeigen. Schamanen gibt es auf der ganzen Welt, ob als Medizinmann, Druide, Schamane oder Voodoo Priester. Ein Schamane hatte sicherzustellen, dass es seinem Volk gut ging. Bei einer schamanischen Handlung wird der Zustand zwischen Wachen und Schlafen hergestellt und durch z.B. monotone Trommelschläge verlängert. In diesem Thetazustand wird dann weitergearbeitet. Frappierend war die Aussage von Frau Sendler, dass in Wirklichkeit kein Gestern und Heute existiert, sondern alles gleichzeitig. Wir haben keine lineare Zeit. Über ihre Nahtoderfahrung berichtete Frau Sendler, dass sie während der OP ihren Körper, den Operateur und sogar das Krankenhaus von oben betrachten konnte. Ein unendliches Glücksgefühl stellte sich ein. Im weiteren Verlauf hörte sie Stimmen, von denen sie unglaublich viel lernte. Am Ende hatte sie die Wahl, durch eine schwarze oder weiße Tür zu gehen, Tod oder Leben. Sie wählte letztendlich die weiße Tür, um den Menschen erzählen zu können, wer und was sie sind.

Walter Scherhaufer, Naturheilverein Schorndorf und Umgebung e.V.

Nachdem Alois Sauer, der die Naturheilgesellschaft Stuttgart 25 Jahre lang erfolgreich als Vorsitzender geführt hatte, den Vorsitz 2024 aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste, war die Sorge bei den Mitgliedern groß, dass diese Veränderung das Aus für den Stuttgarter Verein bedeuten würde. Wollte doch niemand seine Nachfolge antreten und die große Verantwortung der Vereinsführung auf sich nehmen. Eine Auflösung des Vereins wäre doch ein großer Verlust für die Naturheilkunde in der Stadt. Das war für Alois Sauer und auch für uns, die ehemaligen Mit-Vorstände, Beiräte und weitere Aktive einfach unvorstellbar! Im Zuge von mehreren Treffen, bei denen nach Lösungen gesucht wurde, nahm die Idee einer Verschmelzung des Vereins mit dem DNB Gestalt an. Zeitgleich sollte eine Ortsgruppe in Stuttgart aufgebaut werden. Die Gruppe von Aktiven, die sich bildete, übernimmt nun seit knapp einem Jahr alle Aufgaben vor Ort und sichert so weiterhin ein breites Angebot an Vorträgen und weiteren Veranstaltungen in Stuttgart.

Der DNB als Dachverband hat die Mitgliederbetreuung übernommen und unterstützt uns bei der Fertigung und dem Druck des Programms und bei manch‘ weiteren Aufgaben. So freuen wir uns sehr, dass wir für das Jahr 2024 auf mehr als 10 Workshops und Vorträge, die erfolgreiche Weiterführung der Kooperation mit dem Hospitalhof in Stuttgart und einen gut besuchten Aktionstag im Herbst zurückblicken können. Im Bereich Social Media mussten wir bei Null anfangen. Aber Annette Dittrich, Social Media Spezialistin vom NHV Esslingen, unterstützte uns sehr mit dem Einrichten eines Instagram-Accounts. Seit August 2024 übernehmen 3 Personen der Ortsgruppe Inhalt, Layout und Korrekturen der Beiträge auf Instagram. Dank der Software canva ist das gut umsetzbar. Mit Hilfe der Technik, den vielen
Ideen, die wir entwickeln und großem Elan können wir inzwischen ziemlich regelmäßig Inhalte auf Instagram posten. Alle sind sich einig darin, dass wir diesen Weg gehen müssen, um ein jüngeres Publikum anzusprechen und die Gruppenaktivitäten in Stuttgart bekannter zu machen. Folgen Sie uns gerne auch auf Instagram unter: naturheilgruppe_stuttgart
In 2025 stehen weitere interessante Vorträge und Workshops auf dem Programm. Ein Kräuter-Workshop sowie neue Angebote, wie etwa gemeinsame Spaziergänge in der Natur in und um Stuttgart sind geplant. Das freudespendende Bewegungsangebot mit der originellen Sportart des Trampolin-Schwingens wird dank eines aktiven Mitgliedes, Karine Lutzwiller weiter geführt. Frau Lutzwiller ist offizielle bellicon® HEALTH Trainerin. Seit dem Ausscheiden von Alois Sauer, der uns telefonisch zum Glück weiterhin berät, ist inzwischen fast ein Jahr vergangen. Er hat einmal so schön das Motto der Naturheilkunde in Worte gefasst: „Der Natur und dem Leben vertrauen!“
In diesem Sinne hält die Ortsgruppe Stuttgart weiter Kurs.

Karine Lutzwiller und Carolin Hacker, Team Ortsgruppe Stuttgart

Das Mineralwasser Black Forest der Firma Peterstaler im Schwarzwald erfreut sich großer Beliebtheit: In einem nationalen Ranking liegt es  auf Platz 3 unter den 200 stillen Mineralwässern in Deutschland und Öko-Test kürte es bereits zweimal mit der Note „Sehr gut“. Kein Wunder, kommt zur niederen Mineralisierung ein feiner, sanfter Geschmack. Aufgrund der großen Nachfrage wurden die Werbeaktivitäten insgesamt reduziert, berichtete Verkaufsleiter Markus Pont beim Besuch von Christine Hack (Vorstand DNB) und Sabine Neff (DNB-Bundesgeschäftsführerin) im Logistik-Zentrum in Oberkirch-Nußbach. Trotzdem wolle man weiterhin als Sponsor den Deutschen Naturheilbund unterstützen. „Wir fühlen uns dem Naturheilbund und seinen Vereinen sehr verbunden. Unser Wasser steht für natürliche Gesundheit und das passt perfekt zur Naturheilkunde. Das unterstützen wir gerne.“, so der rührige Verkaufsleiter. Viel unterwegs bei Naturheilkunde-Veranstaltungen, Therapeuten und Bioläden ist Helga Benz, Wassersommelière und langjährige Peterstalerin. Auch sie sieht
in der Zusammenarbeit eine Win-Win-Situation. So war man sich schnell einig, die erfolgreiche Kooperation auch in den kommenden Jahren weiterzuführen.

Sabine Neff, DNB Bundesgeschäftsführerin

Folge 1

Von Frau Prof. Karin Kraft

Die Motivation für diese Artikelserie waren zwei Fragen, die sich aufgrund der Entwicklung der letzten Jahre ergeben haben: 1. Was sind die Hintergründe für den großen Erfolg der Naturheilvereine Anfang des letzten Jahrhunderts? 2. Warum nimmt das Interesse der Bevölkerung an Naturheilvereinen in den letzten Jahren plötzlich so stark ab?

Beginn der industriellen Revolution

Zur Beantwortung der ersten Frage ist ein historischer Rückblick erforderlich. Mit der industriellen Revolution ab der ersten und insbesondere der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gewannen in Europa Bewegungen an Kraft, die eine Rückkehr zu einer natürlicheren Lebensweise forderten. Der wichtigste frühe Vertreter dieser Bewegung war der französische Philosoph Jean-Jacques Rousseau (1712-1778). Die Feststellung „Alles was aus den Händen des Schöpfers kommt, ist gut; alles entartet unter den Händen des Menschen“, mit der er seinen 1762 erschienenen Erziehungsroman „Emile“ einleitete, fasst mit einem Satz Rousseaus Zivilisationskritik zusammen. Er forderte die Rücknahme der seit der Aufklärung stattfindenden Distanzierung des Menschen von der Natur, da durch deren Objektivierung ihre rücksichtlose Ausbeutung erleichtert wird. Der an der Humoralpathologie orientierten vorherrschenden Medizin, insbesondere den damals verfügbaren Arzneien, erteilte er eine Absage und forderte die Rückbesinnung auf die körpereigenen natürlichen Heilkräfte. Zu deren Unterstützung empfahl er insbesondere den Gebrauch von Wasser und Bädern. Objekt der Heilung war nicht die Krankheit selbst, sondern der Organismus in seiner Gesamtheit mit dem Ziel der Stärkung der Lebenskraft. Nach heutiger Sichtweise vertrat er somit den seit 1980er Jahren so genannten salutogenetischen Ansatz.

Die Entwicklung in der universitären Medizin des 19. Jahrhunderts

In den deutschsprachigen Ländern stellte sich die Medizin an den Universitäten seit den 1840er Jahren im Rahmen ihrer zunehmenden Professionalisierung naturwissenschaftlich auf, d.h. die Medizin sollte sich auf erwiesene Tatsachen stützen anstatt sich – wie bisher – in naturphilosophischen Spekulationen ergehen. Diese Entwicklung führte bisweilen dazu, dass die Ärzte die PatientInnen nicht mehr als Menschen wahrnahmen, sondern sie auf ihre Symptome reduzierten (woraus in neuerer Zeit die Diagnosen entstanden). Diese Entwicklung wurde durch die Entstehung der Sprechstundenpraxis verstärkt, wodurch der Arzt das persönliche Umfeld des/r Kranken nicht mehr kennenlernte und daher nicht mehr berücksichtigen konnte. In dieser Zeit waren die häufigsten Krankheiten Infektionen (insbesondere Tuberkulose, Geschlechtskrankheiten, Cholera und andere Epidemien), Verletzungen (Unfälle, Kriege), Suchterkrankungen (Alkoholismus, Morphinismus) und Gicht (unter der der gesamte rheumatische Formenkreis subsummiert wurde). Die Lebenserwartung war gering, auch wegen der hohen Kindersterblichkeit. Die verfügbaren Arzneimittel waren selten wirksam, dafür hatten sie oft schwere Nebenwirkungen (man denke z. B. an die Quecksilberschmierkur bei der weit verbreiteten Syphilis). Der „therapeutische Nihilismus“ war in der konventionellen Medizin in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts deshalb als grundlegende Einstellung weit verbreitet.

Von der Wasserheilanstalt zur Naturheilanstalt

Diese Konstellation erklärt den Erfolg der Wasserheilanstalten, die in vielen der 39 Länder entstanden, die sich nach den Befreiungskriegen zum Deutschen Bund zusammengeschlossen hatten. In ihnen wurde mehr oder oft auch weniger kompetent eine Kaltwasserbehandlung nach dem außerordentlich erfolgreichen Modell von Vinzenz Prießnitz durchgeführt. Sie wurden zunächst von medizinischen Laien betrieben und vornehmlich durch Gesellschaftskreise aufgesucht, die sich eine oft über Wochen dauernde derartige Kur leisten konnten. Eine weitere Voraussetzung war ein gewisser Bildungsgrad, der es ermöglichte, die Heilkraft des Wassers anzuerkennen und richtig zu nutzen, d.h. vor allem Kleriker, Militärangehörige, Künstler und einen Heilberuf Ausübende, die eine Universität besucht hatten. Die Betreiber wurden, weil die universitäre Medizin Vorurteile gegenüber diesem Verfahren hegte, oft als Kurpfuscher bezeichnet, zudem waren die Genehmigungsverfahren langwierig und oft von der entsprechenden Einstellung des jeweiligen Landesfürsten abhängig. Ab den 1840er Jahren wurden diese Wasserheilanstalten zwar zunehmend von Ärzten geleitetet, die ablehnende Einstellung der damaligen universitären Medizin änderte sich aber kaum. Ab dieser Zeit wurde Wasser zunehmend in jeder möglichen Form und Temperatur angewandt, hinzu kamen Licht, Luft, Sonne und verschiedene Ernährungsformen, z. B. vegetarische Kost. Im Jahr 1838 wurde in Mühlau bei Innsbruck die erste „Natur-Heilanstalt“ gegründet. Um das Jahr 1850 existierten in den Ländern des Deutschen Bundes bereits ca. 60 derartige Anstalten.

Der komplette Artikel erscheint in mehreren Folgen in unseren impulsen.
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