Akupunktur, Ernährungsumstellung, Auseinandersetzung mit der Vergangenheit: Wie Allergien in der Traditionellen Chinesischen Medizin behandelt werden

Von Danielle Bruckmaier, Foto creative collection

Millionen von Menschen leiden unter Heuschnupfen, Asthma, einer allergischen Bindehautentzündung, Neurodermitis oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Längst werden Allergien als Volkskrankheit bezeichnet. Der Begriff „Allergie“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich „andersartige Reaktion“. Im heutigen Sprachgebrauch versteht man unter Allergie eine Änderung der Immunlage in Richtung einer krank machenden Überempfindlichkeit.

Die Behandlung der Schulmedizin beschränkt sich häufig auf rein symptomatisch wirksame Medikamente wie Antihistaminika. In schwerwiegenden Fällen werden Cortisonpräparate verordnet, die auf Dauer gravierende Nebenwirkungen haben. Der erfolgversprechendste Therapieansatz ist die sogenannte Desensibilisierung. Dazu wird der Patient über drei Jahre hinweg mit Injektionen an ein bestimmtes Allergen gewöhnt.

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) hingegen betrachtet der Therapeut die Auseinandersetzung des Patienten mit seiner natürlichen Umwelt – also etwa klimatische Faktoren, emotionale Einflüsse, soziale Bindungen und das berufliche Umfeld. Das grundlegende Ziel der Behandlung besteht darin, die Allergiebereitschaft des Körpers, also die Neigung zur Überreaktion auf eigentlich harmlose Stoffe wie Baumpollen zu beruhigen und zu normalisieren. Dabei ist es oft gar nicht entscheidend für die Therapie, ob der Mensch nun auf Birken- oder Gräserpollen allergisch reagiert. Viel wichtiger ist die Gesamtverfassung des menschlichen Organismus.

Wei-Qi: Schutzschild gegen äußere Einflüsse

Allergien sind in der chinesischen Medizin typische Erkrankungen der „Oberfläche“. Im Zusammenhang damit ist die sogenannte Schutz- oder Abwehrenergie – das sogenannte Wei-Qi – von besonderer Bedeutung. Sie umgibt den Körper wie ein Schutzschild; sie zirkuliert in der Oberfläche, aber auch durch den Körper. Es besteht eine Störung mit der Umwelt.

Laut chinesischer Medizin nehmen wir ständig Einflüsse von außen auf: Sauerstoff, aber auch Licht, Wärme oder Kälte. Auch die Impulse der Menschen um uns herum und ihre emotionalen Schwingungen beinflussen uns. Das Wei-Qi schützt den Menschen davor, wahllos all diese äußeren Einflüsse aufzunehmen. Allergien oder Asthma deuten darauf hin, dass dieser Schutzschild gestört ist. Wei-Qi ist sozusagen das Verteidigungs-Qi. Es hat einen Yang Aspekt.

Der Funktionskreis des Wei-Qi ist die Lunge (Speicherorgan), die dem Yin zugeordnet ist. Sie ist das Organ, welches mit jedem Atemzug die Verbindung zur Umwelt aufrechterhält. Das der Lunge zugeordnete Yang-Organ ist der Dickdarm (Hohlorgan). Er umfasst in der TCM auch die Schleimhäute des Organismus und ist somit eng mit der Arbeit des Immunsystems verknüpft. Dazu gehört auch die Haut als „äußere Barriere“ und als Kontaktorgan zur Außenwelt.

Die Lunge korrespondiert mit dem Element Metall. Das Metall verleiht Struktur, macht stabil – wenn wir uns daran zu sehr festhalten, wird jedoch unsere Beweglichkeit eingeschränkt. Störungen des Metalls haben oft mit einer blockierten spirituellen Entwicklung eines Menschen zu tun.

Rolle der Psyche

Auch psychische Aspekte müssen bei einer Störung des Metalls bzw. einer allergischen Erkrankung berücksichtigt werden. Trauer, Kummer, Einsamkeit, Härte, Kälte, Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung. Das Metall hat mit Vergangenheit zu tun! Jemand, der in der Vergangenheit lebt, erzeugt eine „Verstopfung“ und verhindert den Energiefluss!

Umwelteinflüsse berücksichtigen

Die zunehmende Entfremdung von der natürlichen Umwelt scheint für das Immunsystem nicht gerade förderlich zu sein. Impfungen können sich auf das Immunsystem auswirken, manche Medikamente, etwa Antibiotika, schwächen das Immunsystem.

Auch die Reizüberflutung durch Fernsehen, Internet, Medien, überhaupt das Tempo des modernen Lebens können zu akuten oder chronischen Stresszuständen führen. Nicht zuletzt versetzen Bewegungs- und Schlafmangel den ganzen Organismus in einen erhöhten Reizzustand.

Bewusste Ernährung

Kuhmilch führt zur Schleimbildung und sollte gerade bei Asthma, bei Heuschnupfen und Neurodermitis gemieden werden. Auch Zucker und Rohkost können aus Sicht der TCM den Darm belasten. Beides sollte im Speiseplan von Allergie-Patienten stark reduziert werden. Bei Hauterkrankungen sollten außerdem Alkohol, scharfe Gewürze und Kaffee gemieden werden.

Behandlung

Man kann generell sagen: Der Mensch erkrankt nur, weil er den stabilen Zustand verloren hat. Deshalb sollte man hier auf jeden Fall zuerst die Mitte stärken und besonders das Metall-Element. Nach einer ausführlichen Anamnese stellt der Therapeut die Ursache der Erkrankung fest. Sie kann sowohl körperlicher als auch psychischer Natur sein. Danach richtet sich hauptsächlich die Behandlung. Wesentlicher Teil der Behandlung sind Akupunktur und die Moxa-Therapie. Bei letzterer wird getrockneter Beifuß erwärmt, die Wärme stimuliert die Akupunkturpunkte. Auch die Ernährung ist entscheidend für den Therapieerfolg. Sie sollte individuell angepasst sein, damit ein Gleichgewicht auch in der Thermik hergestellt werden kann.  Um die Schleimbelastung zu reduzieren, empfiehlt es sich, vor allem „schleimumwandelnde Lebensmittel wie z.B. Reis, Ingwer, Knoblauch, Kardamom, Meerrettich und Senf zu essen. Das gilt nicht bei Hauterkrankungen, die einen Yang-Aspekt aufweisen.

Danielle Bruckmaier ist Heilpraktikerin für Traditionelle Chinesische Medizin mit langjähriger Erfahrung. Sie praktiziert in Weinheim.
www. Menla-Heilpraxis.de

Was ist TCM?

Im Verständnis der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) entsteht Krankheit durch ein energetisches Ungleichgewicht in den Organen und Leitbahnen, den sogenannten Meridianen.

Sie richtet sich hauptsächlich nach der Ursache der Erkrankung. Sie kann sowohl physischer als auch psychischer Natur sein. Der Patient wird ganzheitlich betrachtet. Der Therapeut bezieht bei seiner Diagnosestellung immer auch die Entstehungsdynamik der jeweiligen Beschwerden mit ein. Die beiden therapeutischen Hauptsäulen sind Akupunktur und Chinesische Arzneitherapie. Auch die Schröpfbehandlung, spezielle Massageformen (Tuina), Ernährungstherapie, Bewegungs- und Entspannungsübungen wie Qi Gong sind Bestandteil der TCM.