Warum hat die Naturheilkunde eine günstige Zukunft?

In den letzten 40 Jahren hatte die Naturheilkunde infolge vielfältiger gesundheitspolitischer Einflüsse in Deutschland einen schweren Stand. Die folgenden Ausführungen stellen die Entwicklung aus meiner Sicht und sehr verkürzt dar. Eine exakte historische Aufarbeitung vor allem der letzten zwanzig Jahre wäre sehr wünschenswert.

Die Entwicklung der verschiedenen Säulen der Naturheilkunde in der Bundesrepublik Deutschland

Nach der Teilung Deutschlands 1949 entwickelte sich das Gesundheitswesen der beiden deutschen Staaten sehr unterschiedlich. Die Bundesrepublik Deutschland war ab den 1950er Jahren die Apotheke der Welt, hier hatten damals mehrere große Pharmahersteller ihren Sitz. Der Contergan-Skandal gegen Ende der 1950er Jahre führte im Jahr 1965 zur Verabschiedung des ersten Arzneimittelgesetzes. Diese Gesetze sollen insbesondere dem Patientenschutz dienen und regeln unter anderen die Durchführung von klinischen Studien. Im Vergleich zu anderen Industrienationen wurden diese Gesetze in Bundesrepublik aber erst sehr spät entwickelt. Dadurch konnten hier noch in den 1980er Jahren Arzneimittelprüfungen ohne umfangreiche Auflagen durchgeführt werden, dies war in anderen Ländern längst nicht mehr möglich. Deshalb waren sie auch Schwerpunkt der medizinischen Forschung an den deutschen Universitätskliniken. Naturheilverfahren standen dagegen nicht im Fokus, da sie schon damals schlecht vergütet wurden und zudem Patentierungen kaum möglich waren.

Im Rahmen der zweiten Arzneimittelnovelle von 1976 wurden Phytopharmaka, Homöopathika und Arzneimittel der anthroposophischen Medizin in der Kategorie „Besondere Therapierichtungen“ zusammengefasst. Sie mussten im Gegensatz zu den chemisch definierten Arzneimitteln für ihre Nachzulassung keine Wirksamkeitsbelege in Form von klinischen Studien erbringen. Im Auftrag der deutschen Zulassungsbehörde, dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, wurde aber das wissenschaftliche Erkenntnismaterial für die verschiedenen Arzneipflanzen systematisch in Form von Monographien zusammengestellt. Diese Arbeit wurde weltweit zum Vorbild für wissenschaftliche Monographien von Arzneipflanzen, u.a. für die Erstellung der Monographien der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) ab 2004. Bis Anfang der 1990er Jahre verloren dagegen alle damals im Markt befindlichen Arzneimittelkombinationen aus chemisch definierten Substanzen und Arzneipflanzenextrakten ihre Zulassung, da sie die Auflage des Nachweises der Wirksamkeit in klinischen Studien nicht erfüllen konnten.

Die Bewegungstherapie stand in den Jahren seit ca. 1960 nicht besonders im Fokus. Gut erinnerlich sind mir Aktionen für die Bevölkerung wie Trimm-Dich-Pfade ab den späten 1970ern, später Laufsport einschließlich Joggen und Marathonlauf. An den Sporthochschulen befasste man sich vor allem mit Leistungssport, in der medizinischen Aus- und Weiterbildung wurde Bewegung als Komponente von Therapiekonzeptionen kaum thematisiert. In den Kurorten und –kliniken standen vor allem passive Verfahren wie Massagen im Fokus.

Immer weiter verschärfte Hygieneauflagen und schlechte Vergütung durch die Gesetzlichen Krankenversicherungen führten dazu, dass in den Akutkliniken die Abteilungen für Physikalische Therapie ab Ende der 1960er Jahre verkleinert oder sogar abgeschafft wurden. Betroffen waren insbesondere die Hydro- und Balneotherapie, die damit nur noch in den zumeist privat geführten Kurkliniken und in den Heilbädern und Kurorten als Heilmittel verwendet wurde und ansonsten der Selbstanwendung vorbehalten war.

Eine gesunde Ernährung spielte noch bis Anfang der 2000er Jahre bei der ärztlichen Aus- und Weiterbildung und im Akutkrankenhaus keine Rolle. Auch danach setzte man eher auf medikamentöse Therapien bei durch Fehl- oder Überernährung bedingten Erkrankungen als auf deren Prävention.(wie ist das heute? Ist (gesunde) Ernährung Lehrfach?)Vielmehr führte die seit den späten 1980er Jahren in den USA propagierte kohlenhydratreiche, fettarme Kost auch zu einem starken Anstieg der Adipositasrate in der deutschen Bevölkerung. Gesetzliche Krankenversicherungen übernahmen in der Regel die Kosten in spezialisierten, u.a. naturheilkundlich orientierten Kur- und Fastenkliniken nur bis 1990, bei der Ernährungsberatung wurden nur Programme im Sinne der Deutschen Gesellschaft für Ernährung gegenfinanziert.

Die Entwicklung der Ordnungstherapie in dieser Zeit ist in ihrer Komplexizität kaum darstellbar. Noch bis Anfang der 2000er Jahre wurde in Akutkliniken einschließlich der Universitätskliniken nur selten eine psychologische Betreuung angeboten, auch Mind-Body-Medicine und Entspannungsverfahren wie autogenes Training oder progressive Relaxation, Yoga oder Qigong waren nicht etabliert. Gleichzeitig boomten im Rahmen der New-Age-Bewegung seit Ende der 1960er Jahre esoterische Angebote. Hier sind beispielsweise angeblich speziell aufbereitetes gesundheitsförderndes Trinkwasser, heilende (Halb-)edelsteine, teure pseudopsychologische Wochenendseminare sowie eine vielfältige Ratgeberliteratur zu nennen. Es war die Zeit des positiven Denkens, der Wunderheiler, Gurus und Sekten. Aus heutiger Sicht werden auch viele sozialpsychologische Untersuchungen, die bis Anfang der 2010er Jahre durchgeführt wurden und deren Ergebnisse bei vielen Lifecoaches bis heute populär sind, als wissenschaftlich zumindest umstritten angesehen.

Naturheilkunde in der DDR, Entwicklung des zweiten Gesundheitsmarktes

In der Deutschen Demokratischen Republik wurde die Abschaffung der Heilpraktiker, die bekanntlich 1939 gesetzlich fixiert worden war, unverändert fortgesetzt. Dagegen wurden die Ärzte für Physiotherapie etabliert, die allerdings nur über ein beschränktes, staatlich vorgegebenes Therapiespektrum verfügten, das sich vorwiegend auf die Physikalische Medizin erstreckte. Dieser Facharzt wurde nach der Wiedervereinigung Deutschlands abgeschafft und 1994 durch den fachlich wesentlich breiter aufgestellten Arzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation ersetzt. Wegen der hohen Kosten der Wiedervereinigung wurden in dieser Zeit auch die gesetzlichen Grundlagen für eine weitreichende Veränderung Deutschlands im Sinne des Neoliberalismus gelegt, u.a. wurde die Privatisierung von vielen Bereichen der Grundversorgung der Bevölkerung einschließlich des Gesundheitswesens ermöglicht. Um Kosten einzusparen, fielen in dieser Zeit deshalb z. B. nahezu alle naturheilkundlichen und komplementärmedizinischen Therapien aus der Erstattungsfähigkeit durch die Gesetzlichen Krankenversicherungen heraus, das Schlusslicht dieser Entwicklung bildeten die Phytopharmaka im Jahr 2004. Das hohe Bedürfnis der Bevölkerung nach diesen nebenwirkungsarmen Therapieverfahren wurde in den sich ab Ende der 1990er Jahre allmählich sich entwickelnden, ökonomisch orientierten zweiten Gesundheitsmarkt, d.h. dem Selbstzahlermarkt, kanalisiert. Daraus resultierte ab den späten 1990er Jahren eine Blüte des Gesundheits- und Wellnesstourismus, wodurch die nach der Reha-Krise von 1996 darniederliegenden Heil- und Kurbäder allmählich wiederbelebt wurden. Hier wurden, oft ohne wahrnehmbare Qualitätssicherung, vor allem passive Verfahren aus der Naturheilkunde und außereuropäischen traditionellen Medizinsystemen, wie z. B. verschiedene Massageverfahren und Bäder ohne Indikationsbezug vermarktet.

Entwicklung des ersten Gesundheitsmarktes

Im von der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gegenfinanzierten ersten Gesundheitsmarkt finden sich vor allem diejenigen Diagnostik- und Therapieverfahren, die wegen ihrer Nebenwirkungen ärztlich verordnet werden müssen. Wirksamkeitsbelege im Sinne der evidenzbasierten Medizin haben bei dieser Zuordnung in den 1990er Jahren kaum eine Rolle gespielt. Dieses in dieser Zeit ursprünglich ausschließlich für die Bewertung der Wirksamkeit von chemisch definierten Pharmaka entwickelte Konzept wurde zunehmend auch auf die nicht medikamentösen Verfahren ausgedehnt. In der Hoffnung, dass dieser personalintensive Bereich auf die Dauer durch Medizinprodukte ersetzt werden könnte, wurde deren Entwicklung mit öffentlichen Fördermitteln ab Mitte der 1990er Jahre stark unterstützt. Infolgedessen entwickelte sich Deutschland zu einer in der Medizinproduktentwicklung führenden Nationen weltweit, zumal zunächst keine kostenintensiven klinischen Prüfungen, ja nicht einmal Registrierungen im Sinne des Patientenschutzes vorgeschrieben waren. Erst ab dem Problem der geplatzten Brustimplantate von 2013 wurden allmählich den Arzneimittelprüfungen angepasste Prüfungen für Medizinprodukte sowie Register z. B. für Endoprothesen in Deutschland entwickelt.

Im Bereich der Rehabilitationsmedizin, in der traditionell viele naturheilkundliche Verfahren angewendet wurden, wurden von der Deutschen Rentenversicherung ab 2004 Rehabilitationsrichtlinien eingeführt. Die Ableistung der übrigens bis heute wenig evidenzbasierten Behandlungsmodule, vor allem in ihrer jeweiligen Kombination, ist bei jeder Erkrankung genau vorgeschrieben, bei Nichteinhaltung wird die Fallpauschale nicht gezahlt. Naturheilkundliche und komplementärmedizinische Therapieverfahren werden in diesen Richtlinien bisher nahezu nicht berücksichtigt, auch wenn sie bei bestimmten Erkrankungen in den medizinischen Leitlinien inzwischen empfohlen werden.

Außereuropäische Verfahren und andere Konkurrenten

Ab den 1980er Jahren nahm die Bedeutung traditioneller außereuropäischer Verfahren für die Therapie von Krankheiten außerhalb der etablierten Medizin immer mehr zu. Diese Verfahren drangen teilweise auch bis in die medizinische Forschung vor, wobei die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) infolge der massiven finanziellen Unterstützung durch die Volksrepublik China (VR) weltweit zum Wegbereiter wurde. In den 1990er Jahren wurde deshalb in den USA eine Abteilung des National Health Institute (NIH) geschaffen, die sich nur mit traditionellen und komplementären Verfahren befasste, Forschungsgelder vergab und für die flächendeckende Einrichtung von entsprechenden Lehrstühlen an den Universitäten sorgte. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) entwickelte sehr bald dieses Vorgehen in Strategievorschlägen hinsichtlich der Etablierung von traditionellen und komplementären Therapieverfahren in ihren Mitgliedsländern weiter. Leider gehören bis jetzt die meisten Mitgliedsländer der EU einschließlich Deutschlands bei der Umsetzung dieser Vorschläge zu weltweiten Schlusslichtern.

Infolge der finanziellen Förderung durch die VR von z. B. Forschungsprojekten u.a. in Deutschland und Einladungen deutscher Medizinstudierender nach China wurden auch in Deutschland insbesondere die Verfahren der TCM populär. Das damit von der VR im Hintergrund verfolgte Ziel, im lukrativen europäischen Arzneimittelmarkt mit chinesischen Pharmaka Fuß zu fassen, war damals nur einem kleinen Personenkreis bekannt. Die entsprechend der ärztlichen Approbationsordnung von mir in Rostock ab 2003 organisierte Pflichtvorlesung zum Querschnittsbereich 12 (Rehabilitation, physikalische Therapie, Naturheilverfahren) war zunächst sehr schwach besucht, es gab sogar Beschwerden der Studierenden, dass Verfahren der TCM nicht berücksichtigt wurden. Dies hat sich jedoch im Verlauf der Jahre mit zunehmender Aufklärung der Studierenden über die Hintergründe der TCM stark geändert. Dafür positionieren sich als Konkurrenz zu den Naturheilverfahren seit etlichen Jahren vor allem in den östlichen Bundesländern immer mehr die Vertreter der Manuellen Medizin, die sich anfänglich aus den Ärzten für Physiotherapie rekrutierten. Nachdem bei den zunächst im Vordergrund stehenden finanziell lukrativen chirotherapeutischen Eingriffen deren erhebliche Nebenwirkungen publik wurden, wurden im Laufe der Jahre neben einer immer aufwändigeren Diagnostik gleichzeitig etliche komplementärmedizinische Verfahren wie z. B. Osteopathie, Kraniosakraltherapie, Schröpfen, Neuraltherapie und Akupunktur/Akupressur angewendet, um die Wirkung der manuellen Behandlung zu verstärken. Insbesondere selbstzahlende Schmerzpatienten werden damit versorgt, die Belege für eine insbesondere nachhaltige Wirksamkeit sind allerdings bisher mehr als dürftig.

Evidenzbasierung und Leitlinien

Die Umsetzung von Wissenschaftstheorien und die Schulung von medizinischem Personal in den Grundlagen der Statistik hat zu einer rasanten Entwicklung der evidenzbasierten Medizin seit den 1990er Jahren geführt. Dies ermöglichte zunehmend den Ersatz von Lehrmeinungen durch wissenschaftlich absicherte medizinische Leitlinien. Diese enthalten zwar noch immer viele lediglich empirisch gestützte Empfehlungen, dies wird aber kenntlich gemacht, wodurch Forschungsdefizite systematisch identifiziert werden. Da zu den Naturheilverfahren wegen fehlender entsprechender Lehrstühle und Forschungsfinanzierung in der Regel allenfalls ältere klinische Studien existierten, die aber nicht mehr den neueren Prüfstandards entsprachen und auch in der Regel nicht in international zugänglichen Zeitschriften publiziert worden waren, kam in Deutschland das sich bis heute hartnäckig haltende falsche Gerücht auf, dass die Wirksamkeit von Naturheilverfahren nicht belegt und sie deshalb unwirksam seien. Wegen der durch internationale Forschungsaktivitäten verbesserten Evidenzlage wurden jedoch 2013 die Gesellschaft für Phytotherapie und 2018 die Deutsche Gesellschaft für Naturheilkunde in die Arbeitsgemeinschaft der Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) aufgenommen. Seither können Vertreter beider Fachgesellschaften qualifizierte Empfehlungen von naturheilkundlichen und komplementärmedizinischen Therapieverfahren in geeigneten Leitlinien positionieren. Da inzwischen auch PatientInnen an der Leitlinienentwicklung beteiligt sind, nimmt deren Patientenorientierung in den letzten Jahren zu. Es werden zudem leicht verständliche Leitlinien entwickelt, um PatientInnen eine rasche, wissenschaftlich abgesicherte Übersicht zur Entstehung, Diagnostik und Therapie ihrer Erkrankung zu ermöglichen. Es bleibt zu hoffen, dass dieses kostenlose Informationsangebot eine zunehmende Verbreitung in der Bevölkerung erfährt. Derzeit sind entsprechende Apps in Entwicklung, um den Zugriff für PatientInnen noch weiter zu erleichtern.

Aktueller Stand

Gegenwärtig stehen alle Säulen der Naturheilkunde wieder im Fokus des öffentlichen Interesses. Bei der Ernährung gibt es im Bereich Fasten und verschiedenen Ernährungsformen (vegetarisch, vegan, FODMAP etc.) international erhebliches Forschungsaktivitäten, zugleich scheinen die vielen Aufklärungskampagnen hinsichtlich der berechtigten Bedenken bei Qualität, Wirkung und Unbedenklichkeit von Nahrungsergänzungsmitteln bei der Bevölkerung allmählich erfolgreich zu sein. Zur Bewegung wurden in den letzten Jahren sehr viele, zumeist aber wissenschaftlich nicht abgesicherte Apps entwickelt, auch für den Einsatz bei verschiedenen Erkrankungen. Sie sind ohne fachkompetente Begleitung aber wenig brauchbar, der Mangel an geschultem Fachpersonal kann damit nicht ausgeglichen werden. In der Phytotherapie sind aufgrund der weltweiten Forschungsaktivität inzwischen viele klinische Studien durchgeführt worden, diese Belege für ihre Wirksamkeit können über die Patientenleitlinien von der Bevölkerung leicht aufgefunden werden, wodurch Phytotherapie gegenüber kaum oder nicht wissenschaftlich nicht abgesicherten substanzgebundenen Therapien wieder vermehrt Fuß fassen wird. Hydrotherapie und Balneotherapie dürften aktuell aufgrund der Klimakrise und der zunehmenden wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den Wärme- und Kälterezeptoren eine Renaissance erleben, sie können nämlich, wenn sie richtig angewendet werden, weit mehr als nur Elemente von  Wellnesskonzeptionen sein. Schließlich gibt es im Bereich der Entspannungsverfahren sehr viele gut abgesicherte positive Erkenntnisse, insgesamt ist die Mind-Body-Medicine inzwischen sehr vielfältig aufgestellt, so dass esoterische Anteile verzichtbar sind.

Digitalisierung und Naturheilvereine als Chance der Naturheilkunde

Die Zeit für die digitale Vermittlung von gut abgesicherten naturheilkundlichen Inhalten ist längst da. Im Esoterikmilieu wurden die entsprechenden Chancen unter dem Gesichtspunkt der Vermarktung schon lange genutzt. So werben z. B. InfluencerInnen, die mit großer Ausdauer gegen die moderne Medizin wettern und Verschwörungstheorien verbreiten, gleichzeitig am laufenden Band für Nahrungsergänzungsmittel, obwohl bei diesen in der EU alle Aussagen, die sich auf die Beseitigung, Linderung oder Verhütung von Krankheiten beziehen, verboten sind. Die konkrete Anwendung von wissenschaftlich fundierten naturheilkundlichen Verfahren zur Steigerung des Wohlbefindens kann digital leicht verbreitet werden, hinsichtlich ihres Nutzens für den Einzelnen ist das den üblichen Wohlfühlvideos auf jeden Fall haushoch überlegen. Esoterische Vermenschlichungen von Naturkatastrophen wie z. B. die Erklärung von Hochwasserereignissen als Blockade weiblicher Energien, die zu Wasserstau führt, kommen zwar dem weitverbreiteten Bedürfnis nach einfachen und bequemen Erklärungs- und Bewältigungsmodellen in den gegenwärtigen vielfältigen Krisen entgegen, bieten aber bekanntlich keine reale Hilfestellung. Dagegen kann die expertengestützte Anwendung von Naturheilverfahren, die gezielt durch kreative, leicht zugängliche digitale Botschaften und Ratschläge unterstützt wird, vielfältig insbesondere bei leichteren gesundheitlichen Problemen helfen. Gerade Naturheilvereine sind hervorragend geeignet, der in den letzten Jahren zunehmenden Vereinsamung der Menschen reale Kontakte entgegenzusetzen. Zugleich können die dort organisierten Gesundheits- und Lebensstilexperten den für den Normalbürger undurchdringlichen Dschungel an digitalen Informationen gezielt vorab lichten und dadurch eine große Hilfestellung bieten. Wir müssen jetzt alle aus unseren Pseudokomfortzonen ausbrechen und eigene Initiative zeigen, wenn wir die derzeitigen und noch kommenden Probleme gut bewältigen wollen. Die individuelle bzw. gemeinsame Anwendung von fundierten naturheilkundlichen Verfahren kann uns dabei sehr helfen.

Prof. Dr. Karin Kraft, Vizepräsidentin DNB

Wassereinlagerungen im Gewebe: was tun?

Wassereinlagerungen im Gewebe werden als Ödeme bezeichnet. Die Ursachen können unterschiedlich sein. Viele Frauen kennen das Problem der verstärkten Wassereinlagerungen aus bestimmten Zyklusphasen bzw. der Schwangerschaft. Die medizinischen Bezeichnungen verraten etwas über die Ursache des Ödems: Lymphödem, Lipödem, Hungerödem, Herzödem. Auch nach Verletzungen, Operationen, Insektenstichen und allergischen Reaktionen treten Schwellungen auf. Hier wird von entzündlichen bzw. posttraumatischen Ödemen gesprochen.

 Wie kommt es zu einem Ödem?

Im Idealfall besteht ein Gleichgewicht: Über die Venen und die Lymphgefäße wird genauso viel Flüssigkeit abtransportiert, wie aus dem Blut ins Gewebe gelangt, um es mit Signal- und Nährstoffen zu versorgen. Viele Faktoren sind an der Aufrechterhaltung dieses Gleichgewichtes beteiligt: Herz, Leber, Nieren, Venen, Lymphgefäßsystem und die hormonelle Regulation. Ist einer dieser Faktoren gestört, kann möglicherweise nicht genügend Flüssigkeit aus dem Gewebe abtransportiert werden.

Bei Verletzungen und Entzündungen dagegen gelangt sehr viel Flüssigkeit ins Gewebe, sodass der Abtransport vorübergehend überfordert ist. Die Folge in beiden Fällen: Es entsteht eine Schwellung – ein Ödem.

Behandlung: Welche Rolle spielen die Eiweiße?

Die Therapie muss sich nach den Ursachen richten. Werden diese nicht beachtet, kann sie mehr schaden als nutzen. Als entscheidend für die Behandlung hat sich der Eiweißgehalt des Ödems erwiesen.

Eiweiße haben die Eigenschaft, Flüssigkeit zu ziehen und zu binden: Dort wo viel Eiweiß ist, wird auch viel Flüssigkeit hingezogen. Das richtige Verhältnis der Eiweißmenge im Blut zu der im Gewebe ist demnach entscheidend für eine ausgeglichene Flüssigkeitsverteilung

Eiweiße spielen eine wichtige Rolle bei Entzündungen: Entzündungsbotenstoffe in Form von Eiweißen werden vom Körper an den Ort des Geschehens gesendet. Wenn aufgrund einer Entzündung viele Eiweiße im Gewebe sind, diffundiert viel mehr Wasser aus den Blutgefäßen ins Gewebe. So entsteht ein entzündliches Ödem. Ist durch eine Verletzung oder Entzündung der Lymphabfluss beeinträchtigt, handelt es sich um ein Lymphödem.

Wenn man jetzt durch Anregung der Harnbildung einfach nur das Wasser aus dem Gewebe ziehen würde, könnte das kontraproduktiv sein, weil die Eiweiße immer wieder Wasser nachziehen. Möglicherweise würde man so das Problem sogar verschärfen. Bei solchen eiweißreichen Ödemen muss die Therapie darauf ausgerichtet sein, den Lymphabfluss zu unterstützen, damit nicht nur das Wasser, sondern auch die Eiweiße abtransportiert werden. Dafür gibt es beispielsweise die Manuelle Lymphdrainage und die Kompressionstherapie. Auch naturheilkundliche Lymphmittel können hier unterstützend wirksam sein.

Ganz anders sieht die Therapie aus, wenn es sich um eiweißarme Ödeme handelt. Bei eiweißarmen Ödemen sind Diuretika – volkstümlich häufig als Wassertabletten bezeichnet -das Mittel der Wahl.

Was sind Diuretika?

Diuretika sind Arzneimittel, die die Flüssigkeitsausscheidung über die Nieren anregen. Sie sorgen dafür, dass die Gewebeflüssigkeit besser ausgeschwemmt und mit dem Urin ausgeschieden wird. Solche Diuretika werden insbesondere bei so genannten Herzödemen verschrieben. Diese entstehen, wenn die Herzkraft nicht reicht, die Flüssigkeit gegen die Erdanziehungskraft zurück zum Herzen zu transportieren. Auch bei anderen eiweißarmen Ödemen sind harntreibende Mittel sinnvoll. Dazu gehören Ödeme, die entstanden sind durch Erkrankungen von Leber, Nieren oder Venen, durch hormonelle Schwankungen (zyklusabhängig) oder Nebenwirkungen von Medikamenten.

Was bietet die Naturmedizin?

Neben den verschreibungspflichtigen Diuretika gibt es auch Pflanzen, die die Wasserausscheidung anregen. Dazu gehört die Dornige Hauhechel (Ononis spinosa). Sie ist beispielsweise ein wesentlicher Wirkstoff des homöopathischen Komplexmittels Pascodem. Dieses Mittel kann man verwenden, um bei Wasseransammlungen im Gewebe sanft zu unterstützen.

 Wassereinlagerungen – was können Sie selbst tun?

Egal, ob es sich um eiweißreiche oder eiweißarme Ödeme handelt: Das können Sie selbst tun:

  • Bewegen Sie sich so viel wie möglich. Vermeiden Sie dabei aber Überlastung. Am besten ist Schwimmen.
  • Nutzen Sie jede Gelegenheit für Bein-Gymnastik, um die Blutzirkulation anzuregen. Tipp: ständiger Wechsel vom Fersen- zum Zehenstand – auch im Sitzen.
  • Lagern Sie die betroffenen Gliedmaßen oft hoch, um den Rückstrom zum Herzen zu unterstützen.
  • Vermeiden Sie einschnürende Kleidung und minimieren Sie die Verletzungsgefahr an den betroffenen Gliedmaßen.
  • Nutzen Sie die Möglichkeiten der Kompression richtig. Lassen Sie sich dazu von Fachleuten in Apotheke oder Sanitätshaus beraten: Kompressionsstrümpfe müssen exakt sitzen, um nicht mehr zu schaden als zu nutzen.

Bärbel Tschech ist Diplom-Biologin bei Pascoe Naturmedizin

Immunstark sein, Teil 2

Wissen ist cool Ob bei Massenerkrankungen wie im Falle der Epidemie oder Pandemie oder ob bei einer einzelnen Infektion: Es gibt immer zwei Ursachen, zwei Betrachtungsweisen und zwei Lösungen. Hier kannst Du mehr darüber lesen. Damit das auch funktioniert, haben wir Menschen im Laufe von Jahrtausenden ein hoch differenziertes Immunsystem entwickelt. Man kann dieses geniale Immunabwehr-System distanziert betrachten. Das nennt man Erwerben von „Wissen“und die Wissenschaft weiß viel, weil sie viel analysiert, in seinen Funktionen erforscht und nachlesbar in Lehrbüchern niedergelegt hat. Dazu gehört auch das Wissen über die Funktion von Krankheitserregern. Ich nenne dieses Wissen gerne „cool“, weil es Distanz zum Fühlen und Erleben schaut. Hier besteht die Gefahr, ein Feindbild zu erschaffen: Bakterien, Viren, Pilze oder andere „fiese“ Mikroben. Ein Feind ist ein Angreifer auf die Lebenskraft eines Schwächeren. Das kennst du aus dem Geschichtsunterricht. So entstehen Kriege mit Gewinnern und Verlierern. Nun handelt es sich bei Erregern um „Feinde“, die nur unter dem Mikroskop sichtbar werden, im Nanomillimeter-Größenbereich liegen. Warum sind sie dann so mächtig? Das ist ihre Wirkung. Sie besitzen Kräfte, die sich mit dem menschlichen Energiesystem – Körper und Geist – messen wollen. Ist das System Mensch schwach, gewinnt die Mikrobe. Ist das Energiesystem Mensch
stark, verliert die Mikrobe ihre Lebenskraft.

DEIN IMMUNSYSTEM IST GENIAL Es arbeitet unentwegt ganz automatisch und erzeugt Lebensenergie. Die Immunzellen töten nicht nur die ungebetenen Mikroben, sondern gehören zu einem genialen System der Energieerzeugung. Fakt ist: Wir sind täglich von unzähligen Viren, Bakterien, Pilzsporen und Mikroben umgeben. Davon haben wir Milliarden im Körper. Die sauerstoff abhängigen Bakterien, die Substanz aufbauen und abbauen können, sind in der Überzahl und erzeugen, was man „Gesundheit“ nennt. Denk mal an den Schleim in Bronchien und Nase! Wir bunkern aber auch eine Menge uralte Bakterien, die nur dann aktiv werden, wenn das Gleichgewicht der Mikroben im Körper nicht mehr stimmt. Das ist auch noch nicht alles. Der menschliche Organismus ist im täglichen zivilisatorischen Umfeld der Einwirkung von annähernd 60.000 chemischen Verbindungen ausgesetzt, von denen 4000 bis 6000 krebserzeugende Eigenschaften aufweisen. Zahlreiche Konservierungsmittel,
8000 Färbemittel und 6000 Textilhilfsmittel dringen zum großen Teil durch die Haut ein und müssen fortlaufend in den Immunzellen direkt oder enzymatisch gehindert werden, unkontrollierte Kettenreaktionen auszulösen. Das lehrte uns Therapeuten der fabelhafte Onkologe Dr. med. Heinrich Kremer, um uns klarzumachen, wie genial unser Immunsystem ist, womit es TÄGLICH fertigwerden muss. Wissen reicht nicht, Umsetzen von Wissen bringt Erfahrung und Bildung. Das Immunsystem ist unser engster Freund. Der unterscheidet permanent, was uns gut tut und was uns schaden könnte. Die Immunabwehr tut also ihre Arbeit und ist sogar auf Mikroorganismen vorbereitet, die unterm Mikroskop noch gar nicht gefunden wurden!
In Teil 3 schauen wir uns an, was den Immunfreund schwächen könnte und wie du ihn unterstützen kannst. Dr. Rosina Sonnenschmidt ist international
renommierte Homöopathin und Autorin von über 50 Fachbüchern. www.inroso.com

Von Nora Laubstein

Erfolgreiche Lobbyarbeit: Der DNB erwirkt Veränderung im neuen Grundsatzpapier von Bündnis90/Die Grünen

Die Bundesdelegiertenkonferenz der Partei Bündnis90/Die Grünen hat im November letzten Jahres in ihrem neuen Grundsatzpapier eine wesentliche Forderung des DNB an die Bundestagsabgeordneten des Gesundheitsausschusses übernommen: Die Forschung zur Wirksamkeit von Naturheilverfahren soll unterstützt werden! Desweiteren wurde die Wahlfreiheit im Gesundheitswesen, die Therapievielfalt und das Selbstbestimmungsrecht von Patientinnen und Patienten festgeschrieben.

„Komplementärmedizin spielt relevante Rolle“

Das Grundsatzpapier von Bündnis90/Die Grünen verwendet neben dem Begriff „Naturheilverfahren“ auch den Begriff „Komplementärmedizin“: „Viele Menschen nutzen Komplementärmedizin, die somit eine relevante Rolle in der heutigen Gesundheitsversorgung spielt“ heißt es unter Punkt 242 des Programms. Leider wurde unser Vorschlag, gemäß der WHO-Definition von T&CM auch den Begriff der „Traditionellen Medizin“ mitaufzunehmen, nicht berücksichtigt.

Ergänzend wurde von Staatssekretärin und Mitglied des Landtages Baden-Württemberg Bärbl Mielich die „Integrative Medizin“ in einem Antrag erwähnt. In den Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg gibt es in den Sozialministerien mittlerweile eine Abteilung für „Integrative Medizin“. Baden Württemberg fördert etwa die Initiative „KIG-BaWü“ (Komplementäre und Integrative Gesundheitsversorgung in BaWü), in der sich Wissenschaftler der Universitätskliniken und circa zwanzig weiterer Krankenhäuser zusammengeschlossen haben mit 1,16 Millionen Euro. Ziel ist die interdisziplinäre Zusammenstellung von Erfahrungswissen und erfolgversprechenden Ansätzen, um eine integrative Gesundheitsversorgung zu entwickeln. Dabei geht es um Grundlagenforschung, Versorgungsforschung und die Stärkung des Forschungsstandorts Baden-Württembergs.

Keine Kassenleistung

Bezüglich der Frage, ob komplementärmedizinische Leistungen von der Solidargemeinschaft im staatlichen Kassensystem übernommen werden sollen, verbleibt das Grundsatzpapier von Bündnis90/Die Grünen beim Status Quo: Diese Leistungen müssen sowohl medizinisch sinnvoll und gerechtfertigt, als auch die Wirksamkeit wissenschaftlich erwiesen sein. Es gelten also weiterhin die Kriterien der evidenzbasierten Medizin (EBM) und damit auch einer Integrativen Medizin. Würde diese Regelung auf alle medizinischen Anwendungen angewendet werden, dürften auch circa 70 Prozent der aktuellen Leistungen aus dem konventionellen Medizinbetrieb wegfallen.

Bündnis90/Die Grünen werden vermutlich Teil der nächsten Bundesregierung sein. Daher wird der DNB gemeinsam mit anderen Kooperationspartnern den kommenden Wahlkampf und die Koalitionsverhandlungen konstruktiv begleiten.

Nora Laubstein ist Präsidentin des Deutschen Naturheilbundes

Was bedeutet Immunität und wie kann man sie messen? Ein Laborfacharzt über die Unterschiede zwischen Antikörpern und zellulärer Abwehr

Von Dr. med. Armin Schwarzbach; Foto: Freepik.com

Als Immunität bezeichnet man in der Medizin den Zustand, in dem ein Organismus ausreichende Abwehrmechanismen gegenüber Krankheitserregern hat und diese  beim Eindringen im Körper sofort erkennen und bekämpfen kann. Unser Körper bildet spezifische Antikörper und Immunzellen als Reaktion auf Erreger. Das passiert beispielsweise bei einer Infektion, bei der unser Immunsystem durch den Kontakt mit Keimen „trainiert“ wird oder nach einer Impfung.

Grundsätzlich wird zwischen einer zellulären und humoralen Immunantwort unterschieden. Die zelluläre Immunabwehr erfolgt vor allem durch T-Lymphozyten, wobei bei der humoralen Immunabwehr Antikörper beteiligt sind. Zelluläre und humorale Immunreaktionen ergänzen sich bei jeder Abwehrreaktion auf Krankheitserreger. Das zelluläre Immunsystem spielt eine wichtige Rolle in der Einleitung von Abwehrreaktionen mit der nachfolgenden Produktion von Antikörpern.

Wie kann ich feststellen, ob jemand immun ist?

Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten. Eine davon ist der Nachweis von Antikörpern. So werden die Eiweißmoleküle genannt, die unser Immunsystem bei einer Infektion bildet, um die in den Körper eingedrungenen Krankheitserreger zu bekämpfen. Die Eiweißmoleküle binden sich an Krankheitserreger und sorgen dafür, dass die Fremdkörper, die sogenannten Antigene, unschädlich gemacht werden, bevor sie in die Zellen eindringen und sich dort vermehren können. Jeder Antikörper passt zu seinem Antigen wie ein Schlüssel in ein Schloss.

Zahl der Antikörper nicht konstant

Labordiagnostisch lässt sich feststellen, welches Virus die Krankheit verursacht hat und ob spezifische Antikörper gebildet wurden, also die Person diese Krankheit bereits durchgemacht hat. Dabei unterscheidet man unterschiedliche Klassen von Antikörpern. So gibt es Antikörper, die sich beim Erstkontakt mit dem Fremdkörper bilden und auf eine frische Infektion hindeuten (IgM), solche, die sich vor allem in den Schleimhäuten befinden (lgA), solche, die erst nach einiger Zeit entstehen (lgG) und noch weitere.

Die Berufsgenossenschaft verlangt, dass sich medizinisches Personal gegen Hepatitis B impfen lässt. Das durch Blut und Körpersäfte übertragbare Virus verursacht Leberentzündungen mit Todesfolge. Alle Beschäftigten im Gesundheitsdienst sollten nach drei Impfungen ausreichend spezifische Antikörper gegen das Hepatitis B Virus entwickelt haben (Anti HBs > 100 IU/I). Bei niedrigeren Anti-HBs-Konzentrationen sollten weitere Impfungen durchgeführt werden. Circa fünf bis zehn Prozent der Geimpften entwickeln jedoch keine oder kaum Antikörper (Non-Responder).

Auch bei Grippe-Erkrankungen wie auch bei SARS-CoV-2-Infektionen bildet unser Immunsystem bindungsspezifische Antikörper vom Typ IgG, IgA und IgM gegen Grippe-Viren. Labordiagnostisch lässt sich wie bei einer Hepatitis-B Erkrankung feststellen, welches Grippe-Virus (z.B. Influenza A oder B) die Krankheit verursacht und ob spezifische Antikörper gebildet wurden.

Da Grippeviren mutieren können, was häufig der Fall ist, besteht eine Immunität über Antikörper manchmal jedoch nur einige Monate. Nach einer Mutation können unsere Antikörper das Virus-Antigen dann nicht mehr vollständig binden. Auch nimmt die Zahl der Antikörper nach einiger Zeit im Blut ab. Manche Menschen entwickeln – wie beim Beispiel mit Hepatitis B – auch nur wenig oder geringe Antikörper. Antikörpernachweise sind also im Hinblick auf eine mögliche Immunität nicht immer zwingend aussagekräftig.

Zelluläre Immunabwehr oder Basisimmunität

Als weitere Säule zu einer vollständigen Diagnostik kann das zelluläre Immunsystem getestet werden. Während Antikörper sich an Krankheitserregern wie Viren und Bakterien anlagern und diese zerstören, lagern sich T-Zellen an kranke Zellen im Körper an. Sie sorgen unter anderem für Nachschub an Antikörpern oder töten infizierte Zellen ab und spielen eine bedeutende Rolle bei der Abwehr von Virusinfektionen. Damit ein Mensch gegen eine Krankheit immun werden kann, müssen sich T-Zellen nach dem Kontakt mit dem Erreger zu Gedächtniszellen entwickeln.

Wenn sich Gedächtniszellen bilden – sei es durch eine Erkrankung oder eine Impfung – ist das die Basis für eine Immunität gegen Krankheiten. Diese kann mehrere Monate andauern, aber auch ein ganzes Leben lang. T-Gedächtniszellen verfügen über die Fähigkeit, die Oberflächenstruktur verschiedener Bakterien bzw. Viren abzuspeichern. Bei einer Zweitinfektion ist der Körper dank seiner Gedächtniszellen deshalb in der Lage, innerhalb kurzer Zeit erfolgreich zu reagieren.

Der Zustand unseres zellulären Immunsystems entscheidet darüber, ob wir bei einer Infektion krank werden oder nicht. Wer es nicht ausreichend mobilisieren kann, läuft Gefahr zu erkranken oder an einer Infektion zu sterben. Wer jedoch ein hochaktives zelluläres Immunsystem hat, kann wohl mit einer hohen Infektionsdosis überleben und bei einer Minderinfektion nicht einmal Symptome aufweisen.

In einer neuen Studie in Nature Medicine konnte aktuell gezeigt werden, dass bei SARS-CoV-2-Infektionen Immunzellen gebildet werden, die im Körper erhalten bleiben und bei einer erneuten Infektion eine schnelle Immunantwort vermitteln können. Diese T-Gedächtnis-Zellen sehen nach einer SARS-CoV-2-Infektion ähnlich aus wie die nach einer Influenza-Grippe.

Dies kann mittels des Tests Cov-iSpot labordiagnostisch gemessen werden. Hier weist der Nachweis von reaktiven T-Zellen (Effektorzellen) auf einen Erregerkontakt und folglich auf eine akute oder zurückliegende Infektion hin, unabhängig ob Antikörper gebildet wurden. Zudem können die Reaktionen von T-Gedächtniszellen länger nachgewiesen werden als Antikörper. Studien zufolge bleiben SARS-CoV-2-spezifische T-Zellantworten noch lange nachweisbar. So konnten bei SARS-Patienten von 2003 auch im Jahre 2020 noch SARS-spezifische T-Gedächtniszellen gefunden werden.

Man kann also davon ausgehen, dass zelluläre Immuntestungen Hinweise auf vorangegangene Covid-19-Erkrankungen, auf eine zelluläre Immunität und eine mögliche Basisimmunität (PAN-Corona spezifische T-Zellantworten mit weiteren Coronaviridae) geben.

Wozu Impfungen?

Es gibt zwei Ziele von Impfungen:

Für die Allgemeinheit ist das Ziel, dass weniger Geimpfte an einer Krankheit erkranken und sterben, bzw. die Erkrankung einen weniger schweren Verlauf nimmt als bei Menschen ohne Impfung. Für den Einzelnen soll durch eine Impfung eine Immunität gegen den die Krankheit auslösenden Erreger erreicht werden. Das Standardmodell der WHO geht davon aus, dass in einer Bevölkerung über 70 Prozent der Menschen immun sein müssen, damit sich eine Erkrankungen nicht mehr weiter ausbreitet (sogenannte Herdenimmunität). Dadurch werden auch Menschen, die ein geschwächtes Immunsystem haben oder keine Immunität entwickeln, geschützt.

Es kann laborchemisch gemessen werden, ob schon eine Immunität besteht und eine Impfung nicht unbedingt notwendig ist. Hierzu verwendet man in aller Regel die Bestimmung des IgG-Antikörper-Titers. Die Frage zur zellulären Immunität wird jedoch bislang immunologisch in der Routine nicht berücksichtigt. Dabei wäre sie ein wichtiger Hinweis, wieviel Menschen sich bereits infiziert haben und immun sind.

Vor einer Impfung Immundefekte bestimmen

Gefürchtete Komplikationen und Folgeschäden von Impfungen, darunter Autoimmunkrankheiten wie Diabetes Typ 1 oder multiple Sklerose, werden nach Studienlage als äußerst selten beschrieben, sind aber grundsätzlich nicht auszuschließen. Unabhängig vom Risiko einer Impfung macht es deshalb Sinn, angeborene oder erworbene Immundefekte labordiagnostisch zu bestimmen. Erworbene Immundefekte können beispielsweise bei chronischen Infektionen oder auch Autoimmunerkrankungen sekundär entstehen.

Hier können in einem Speziallabor die Bestimmung der T-Zellen, B-Zellen und Natürlichen-Killer (NK)-Zellen sowie die Bestimmung der Immunglobuline IgG, IgA, IgM und der Immunglobulin-Subklassendefekte hilfreich sein. Diese Laborparameter sind zudem bei der Bewertung der Immunität gegenüber Infektionen durch Krankheitserreger zu beachten.

Dr. Armin Schwarzbach ist als Laborfacharzt mit der Spezialisierung auf Infektiologie in Augsburg tätig. Sein Labor ist auf die Diagnostik von Infektionen spezialisiert und Corona-Testcenter.

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von Bärbel Tschech; Foto: Freepik.com

Ob zusätzliche Vitamine fürs Immunsystem sinnvoll oder überflüssig sind, hängt auch davon ab, wie sie verabreicht werden.

Eine natürliche Lebensweise und vollwertige Nahrung mit allen Stoffen, die unser Immunsystem braucht, sind eine wesentliche Voraussetzung zur Abwehr von krankmachenden Eindringlingen, also sowohl von Viren als auch Bakterien. Zu diesen Stoffen zählen insbesondere Vitamine und Mineralstoffe. Nicht nur in den letzten Monaten wurde viel darüber diskutiert, wie sinnvoll ein über die gesunde Nahrung hinausgehendes „Mehr“ an eben diesen Stoffen sein kann, um das Immunsystem bestmöglich vorzubereiten.

Wussten Sie beispielsweise, dass unsere Abwehrzellen im Zuge einer Infektion so große Mengen an Vitamin C verbrauchen, dass ihr eigener – für die Funktion notwendiger – Vorrat innerhalb weniger Stunden der Infekt-Abwehr um die Hälfte verbraucht wird? Dieser starke Verbrauch im Zuge eines Infektes, der auch bei chronischen Entzündungen auftreten kann, ist der Grund dafür, dass ein Vitamin-C-Mangel tatsächlich und trotz guter Ernährung auftreten kann. Vitamin-C-Mangel schwächt dann wiederum das Immunsystem in seiner Leistungsfähigkeit.

Vitamin C Infusionen umgehen Darmbarriere

Vitamin C kann nicht gespeichert werden. Es muss also regelmäßig zugeführt werden. Weil sie denken, sie tun ihrem Immunsystem damit etwas Gutes, schlucken viele Menschen sehr viel Vitamin C auf einmal. Obwohl der Gedanke prinzipiell richtig ist, steht ein großer Teil davon den Körperzellen aber nicht zur Verfügung. Denn um ins Blut zu gelangen, muss das Vitamin C, das man schluckt, über die Darmschleimhäute resorbiert werden. Diese Darm-Resorption ist eine Barriere, weil nur kleinere Mengen von Vitamin C auf einmal aufgenommen werden können. So wird ein großer Anteil von Vitamin C, anstatt über die Darmschleimhäute ins Blut aufgenommen zu werden, einfach mit dem Stuhl ausgeschieden.

Deshalb nutzen viele Naturheilkundler bei einem starken Mangel Infusionen mit Vitamin C. Auf diese Weise kann die gesamte Menge auch den Körperzellen über das Blut zur Verfügung gestellt werden. Zwar wird auch ein Teil dieses Vitamin C relativ schnell über den Urin ausgeschieden. Bis dahin sind aber die Konzentrationen so hoch, dass auch ein lokaler hoher Bedarf in einzelnen Geweben – wie dem Immunsystem – gedeckt werden kann.

Auch andere Vitamine sind wichtig fürs Immunsystem – allen voran das fettlösliche Vitamin D, welches gerade im Winter zu wenig vom Körper gebildet wird, weil die Sonne fehlt.

Bärbel Tschech ist Diplom-Biologin bei Pascoe -Naturmedizin.

 

Von Dr. med. Sonja Reitz; Foto Freepik

Der Effekt homöopathischer Behandlungen liege allein am Placeboeffekt, sagen Gegner. Doch das ist falsch. Eine Widerlegung auf Grundlage wissenschaftlicher Beweise

Als Placeboeffekt wird die positive Erwartungshaltung des Patienten bezeichnet, die dazu führt, dass auch ein Scheinmedikament Wirkung zeigt. Im Allgemeinen liegt dieser bei etwa 30 Prozent bei leichteren Erkrankungen, nicht aber bei schweren Krankheiten, dort wirken Placebomedikamente nachweislich nicht.

  1. Homöopathie wirkt auch da, wo positive Erwartungshaltung keine Rolle spielen kann, etwa bei Babys, an Tieren, in Zellexperimenten im Reagenzglas oder in Kläranlagen, [Literaturliste 15,16,17,18,19,20, 31-45 s.u.). Vertiefende Erläuterungen finden Sie in meinem Ratgeber „Rund um
    die Homöopathie“.
  2. Auf der ganzen Welt erlebten viele Millionen Eltern, dass chronische Entzündungen und auch andere Erkrankungen ihrer Säuglinge und Kinder nicht auf schulmedizinische Medikamente, wohl aber auf die nachfolgende homöopathische Behandlung angesprochen haben, obwohl sie selbst vorher auch an die Wirksamkeit der schulmedizinischen Medikamente geglaubt haben und von Homöopathie zunächst nichts wussten. Der Placeboeffekt war bereits bei der ersten Behandlung „abgenutzt“, da die Behandlung am gleichen Patienten erfolgte.
  3. Einer nachfolgenden Behandlung Placebowirkung zu unterstellen, ist unwissenschaftlich. Menschen finden sehr oft erst zur homöopathischen Behandlung, wenn andere Therapieversuche nicht funktioniert haben, bei denen offenbar der Placeboeffekt dort nicht gereicht hatte, um die Krankheit zu bessern. Dieser darf logischerweise bei Folgebehandlungen nicht angenommen werden! Der Effekt homöopathischer Behandlungen ist in Outcomestudien auch bei vorbehandelten Patienten in Prozentzahlen deutlich größer als der Placeboeffekt.
  4. 80 Prozent haben in der IKK Studie Sachsen von der homöopathischen Therapie profitiert, d.h. weit mehr als es von einer Placeboreaktion (30 Prozent) erwartet werden könnte, obwohl sie vorher über acht Jahre anderweitig behandelt worden waren und der Placeboeffekt nicht mehr angenommen werden darf. Vergleichbar gute Ergebnisse wurden in England, Niederlande, der Schweiz an tausenden Menschen nachgewiesen. (9,10,11,12,13)
  5. Die Homöopathiewirkung ist auch mehr als ein sogenannter „unspezifischer“ Heileffekt, wie zum Beispiel Einfühlungsvermögen, Verständnis der Behandler, denn auch die vorhergehenden Behandlungen waren mit der gleichen Fürsorge von Behandlern oder Eltern erfolgt. Ein weiteres wichtiges Argument: Oft zeigt auch erst das zweite oder dritte gewählte Mittel bei gleichen Patienten und beim gleichen homöopathischen Behandler die erhoffte Wirkung. Placeboeffekt, wie auch unspezifischer Zuwendungseffekt, sind dann wissenschaftlich sicher als alleiniger Grund für die Wirkung ausgeschlossen.
  6. Homöopathie wirkt auch gut bei schweren Erkrankungen [31] und weit fortgeschrittenen Karzinomen, dokumentiert z.B. in den Banerji Protokollen [30]. Placebos zeigen bei schweren Erkrankungen wie Krebs nach aktuellem Kenntnisstand keine Wirkung. Homöopathische Medikamente können zudem viele Nebenwirkungen von Chemotherapeutika verhindern mit oft sogar besseren Prognosen bei geringeren Kosten [5a,b,6].
  7. Die Einstufung der Wirkung der Homöopathie als Placebowirkung durch „Wissenschaftler“ ist falsch da
  • Diese Wissenschaftler die Placebohypothese unkorrekt anwenden und Studienanforderungen stellen (Evidenzkl. 1), die nicht zur Methode Homöopathie passen [7,8].
  • 90 Prozent der homöopathischen Studien ignoriert wurden, obwohl sie Evidenzklassen II und III angehören und berücksichtigt hätten werden müssen [4].
  • Ergebnisse und Fakten der Outcomestudien und hundertmillionenfachen Erfahrungen, die mit dieser Methode gemacht wurden, ignoriert werden. Ignoranz ist das Gegenteil von Wissenschaft.
  • Die wissenschaftlich sauber und auch ermittelten Wirksamkeitsnachweise von Hochpotenzen und Ähnlichkeitsgesetz, in denen keine Moleküle mehr anwesend sind [21,22,23] werden ignoriert.

8. Über 200.000 naturwissenschaftlich ausgebildete homöopathische Ärztinnen und Ärzte weltweit können sich nicht alle irren. Alle diese könnten sofort andere
Methoden anwenden, wenn sie darin einen Vorteil für die Patienten sehen würden, bleiben aber bei der Homöopathie.

Noch etwas: Ganz besonders Frauen profitieren von der Homöopathie, weil Frauen häufiger an chronologischen, neurologischen, autoimmunen und Umwelt-Erkrankungen erkranken und die Schulmedizin dafür meist zu wenige oder keine akzeptablen Heilmethoden anbieten kann.

Die Abschaffung der Weiterbildungsordnungen Homöopathie in acht Ärztekammern und Ausgrenzung aus der GKV-Medizin schadet vor allem Frauen, Kindern und chronisch Kranken. Homöopathie ist oft deren einzige Rettung. Falls Sie sich an einer Petition dazu an den Gesundheitsminister beteiligen wollen, abonnieren Sie den kostenlosen Newsletter von www.diy-medizin.de.

Literaturliste: https://diy-medizin.de/links-und-literaturliste-zu-dnb-artikel-homoeopathie-ist-kein-placebo/

 

Dr. med. Sonja Reitz ist Buchautorin, Fachärztin für Allgemeinmedizin und Psychotherapeutische Medizin mit Schwerpunkten in klass. Homöopathie, Ursachenanalyse, NHV, Neurobiol. Stressabbau (NBSA®), Ernährung, ganzheitliche Psycho-somatik und Narbenentstörung.
praxisdrreitz.de

Ein naturheilkundlicher Lebensstil trägt auch zu einer erfüllten Sexualität bei.

Der Ganzheitsmediziner Gert Dorschner hat dazu einen Ratgeber verfasst. Nachfolgend einige Auszüge/Zusammengefasst von Sabine Neff / Foto: Freepik.com

Mediziner, Psychologen und Psychotherapeuten sind sich einig, dass eine erfüllte Sexualität gesund für Körper und Psyche ist. Allerdings deuten Statistiken und Umfragen darauf hin, dass die Deutschen weniger Sex haben als noch vor einigen Jahren. Zudem nimmt die Unfruchtbarkeit zu. Lange Zeit wurde das Problem bei der Frau gesehen, wenn Paare keine Kinder bekommen, schreibt Gert Dorschner. Tatsächlich kann es jedoch genauso gut am Mann liegen: Die männliche Unfruchtbarkeit bei unerfülltem Kinderwunsch liegt bei 50 Prozent. Alle zehn Jahre müssen die Normwerte für die Anzahl, die Beweglichkeit und die Qualität von Spermien nach unten korrigiert werden. Ein Grund dafür ist wohl auch die zunehmende Verschmutzung unserer Flüsse, Meere und Ozeane durch östrogenartige Substanzen aus der Reinigungsmittelindustrie. Diese reichern sich in den Tieren, die am Ende der Nahrungsmittelkette stehen, hochpotenziert an. Männliche Eisbären in der Arktis und Süßwasserkrokodile in Florida werden zunehmend unfruchtbar. Das gleiche gelte nach Dorschner auch für den Menschen.

Aber nicht nur die Fruchtbarkeit befände sich im freien Fall, sondern auch die Potenz und die Lustempfindungsfähigkeit nehme allgemein ab. „Das erste, was die Natur bei mangelnder Gesundheit und zunehmender Gefäßverkalkung abschaltet, ist die Fortpflanzungsfähigkeit – lange vor einem Herzinfarkt oder Schlaganfall!“, so Dorschner, der deshalb mahnt: „Gesundheit ist nicht alles – aber ohne Gesundheit und Hygiene geht nichts mehr“.

Das Trio der Lustkiller

Das Trio der Lustkiller sind nach Dorschner Hypertonie, Übergewicht oder Diabetes – allein 35 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen mit Hochdruck leiden unter sexueller Dysfunktion. Außerdem würden Frauen viel mehr auf Hygiene achten, als viele Männer nachvollziehen und im wahrsten Sinne des Wortes „riechen“ können. Alle Lust kehre sich bei „ihr“ in Ekel, wenn sie mit unangenehmen Gerüchen, etwa Nikotin und Alkohol sowie mangelnder Hygiene konfrontiert wird. Ein wahrhaft erotischer Mann müsse nicht schön sein, sondern männlich, und dazu gehöre ein gepflegtes Äußeres, wobei Frauen besonders auf Augen, Mund, Zähne, Hände, Po, Geruch und Stimme achten.

Insbesondere Alkohol, aber auch eine Vielzahl an Medikamenten wirke libido- und potenzmindernd und sollte gemieden werden. Dazu zählen zum Beispiel Statine (Cholesterinsenker), denn diese senken die Konzentration der Geschlechtshormone; auch Antidepressiva, Magenschutzmittel, aber auch Antibiotika und Schmerzmittel und Entzündungshemmer wie Ibuprofen, Diclofenac, Aspirin und Paracetamol gehören dazu.

Was können Paare aktiv für ein erfülltes Sexualleben tun?

Hier nennt Dorschner sieben Faktoren:

  1. Achten Sie auf eine gesunde Psyche und eine entspannte Einstellung zur Sexualität. Erfahrung im Liebesspiel lässt sich zum Beispiel in Tantra-Kursen oder erotischen Coachings aneignen.
  2. Entspannungstraining, wie zum Beispiel Yoga, Autogenes Training, aber auch ausreichender Schlaf oder Hydrotherapie trainieren das vegetative Nervensystem und damit die für die Erektion nötige Entspannungsfähigkeit. Achtung: Ein zu hoher Cortisolspiegel, meistens durch chronischen Stress, senkt den Testosteronspiegel und führt nicht zuletzt deshalb zu Impotenz und Libidomangel.
  3. Gesunde Ernährung: Dorschner empfiehlt eine pflanzeneiweißbetonte, basenüberschüssige, vitalstoffreiche, ovo-lacto-vegetabile Vollwerternährung. Denn der Mensch sei ein Stoffwechselsystem und demnach physiologisch so gesund wie er sich ernährt. Sexualität sei eine physiologische Körperfunktion, die einen gesunden Körper voraussetzt.Dorschner empfiehlt speziell Vitamin E (bekannt als Fruchtbarkeitsvitamin), das in Weizenkeimöl, Vollkorngetreide, Eigelb und dunkelgrünem Gemüse enthalten ist; Omega III-Fettsäuren (enthalten in Leinöl und fettreichem Fisch), sowie Zwiebel, Meerrettich, Bärlauch oder Knoblauch als stärkste Waffe gegen Arterienverkalkung, zur Blutverdünnung und Durchblutungsförderung im Unterleib. Vorsicht geboten sei bei Soja-Produkten (östrogenlastig) und sämtlichen Entzündungsfaktoren wie zum Beispiel Fleisch, Wurst, Kuhmilchprodukten, Rotwein, Schokolade, Zucker sowie die Genussgifte Nikotin und Alkohol. Zucker gilt als eine der Hauptursache für Gefäßschäden, was wiederum zur Arterienverkalkung und Erektionsstörungen führen kann.
  4. Spätestens im Alter sollte man anfangen, nicht aufhören, Sport zu machen! Regelmäßig Sport treiben: Bewegung ist Leben und guter Sex ist trainierbar. Dorschner empfiehlt mindestens 3 x pro Woche ein 30 – 45 Minuten langes Intervalltraining für Ausdauer, Kraft, Schnellkraft, Koordination und Gleichgewicht. Sein Spezial-Tipp: Trampolinspringen als besonders intensives „Ur-Training gegen die Schwerkraft“. Es trainiert am intensivsten den Beckenboden mit.
  5. Beckenbodentraining: Training des sogenannten „PC-Muskels“, der die Geschlechtsorgane im Becken umgibt (30 x für 5-8 Sekunden anspannen und das 3 x pro Tag). Dies sei das ultimative Nonplusultra der Potenz- und Luststeigerung und für beide Geschlechter eine Art „natürliches Viagra“: Die Frau kann so körperlichen Beschwerden wie Senkungen, Inkontinenz und Harnwegsinfekten vorbeugen und trainiert und verstärkt gleichzeitig ihre Lustempfindungs- & Orgasmusfähigkeit. Bei Männern kann eine schwache Beckenbodenmuskulatur zu vorzeitiger Ejakulation oder Orgasmus-Schwierigkeiten führen.
  6. Bioidentische Hormontherapie zum Ausgleich von Östrogen-Gestagen-Dysbalancen, Testosteron-Mangelzuständen und anderen Hormonstörungen. Diese gehören jedoch in die Hände darauf spezialisierter Naturheiltherapeuten.
  7. Das beste Mittel: Sex. Nach alter Urologen-Weisheit ist und bleibt das potenteste Mittel für den Erhalt von Potenz, Libido und Fruchtbarkeit bei Mann und Frau der Sex an sich! Beim Orgasmus werde das Belohnungszentrum aktiviert, sogenannte Glückshormone wie Dopamin gebildet, Serotonin und Endorphine ausgeschüttet und das Stresshormon Cortisol gesenkt.

Ein wenig philosophisch fasst der Ganzheitsmediziner alle Faktoren abschließend so zusammen: Es ist unsere Aufgabe, unseren Körper gut zu behandeln, ihn zu pflegen, zu ernähren, ihn schön schlank, sportlich und leistungsfähig und vor allem lust- und liebensempfindungsfähig zu erhalten. Denn nur wer seinen Körper als schön und lustvoll empfinden, wahrnehmen und lieben kann, kann auch andere schön und lustvoll empfinden.

Gert Dorschner: Sexualität aus ganzheitlicher Sicht – Über die Heilkraft ganzheitlicher Liebe & Erotik, Skript zum Vortrag, 20 Euro. Zu beziehen über unseren Shop www.naturheilbund.de/dnb-shop/
Gert Dorschner ist Ärztlicher Leiter der AfG,  Facharzt für Allgemeinmedizin, Notfallmedizin, Naturheilverfahren, Akupunktur, Klassische Homöopathie und Ernährungsmedizin sowie Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Deutschen Naturheilbundes.
Sabine Neff ist Bundesgeschäftsführerin des Deutschen Naturheilbundes.